sg/pm
16.04.15 / 08:51
Gesellschaft

Männer erkranken anders

Der jüngst in Berlin stattgefundende Männergesundheitskongress rückt ein wichtiges Thema in den Vordergrund: Psychische Erkrankungen bei Männern werden oft nicht erkannt oder nur unzureichend therapiert.



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Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) werden psychische Erkrankungen bei Männern seltener diagnostiziert als bei Frauen. Nach aktuellen Daten erkrankten in Deutschland innerhalb eines Jahres knapp 5 Prozent der erwachsenen Männer an einer Depression. Bei Frauen liege der Wert im gleichen Zeitraum bei über 10 Prozent.

Körperlich statt seelisch

Gleichzeitig sei aber bei Männern eine deutlich höhere Rate für Suchterkrankungen sowie für (vollendeten) Suizid festzustellen. Prof. Anette Kersting, Leiterin des DGPPN-Fachreferats für geschlechterspezifische Fragen in der Psychiatrie: "Diese Daten legen nahe, dass psychische Erkrankungen bei Frauen spezifischer erfasst werden. Untersuchungen konnten nachweisen, dass die psychiatrisch-psychotherapeutische Diagnostik depressive Symptome bei Männern nicht erfasst."

Die erfragten depressiven Symptome wie Niedergeschlagenheit, Grübeln, Antriebslosigkeit und Rückzugstendenzen würden als eher weiblich gelten. Männer hingegen versuchten immer noch, ihre seelischen Probleme zu verstecken und schilderten häufiger körperliche Symptome, so Kersting. 

Klinische Daten zur sogenannten "Männerdepression“ belegten, dass sich Depressionen bei Männern und Frauen unterschiedlich äußern: Neben den üblichen depressiven Symptomen würden bei Männern häufiger auch Gereiztheit, Irritabilität, Aggressivität, Wut oder antisoziales Verhalten auftreten - Verhaltensweisen, die als "typisch männliche“ Abwehrstrategien interpretiert werden.


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