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24.04.14 / 10:59
Gesellschaft

Mehr als ein Getränk

Die ersten keilschriftlichen Aufzeichnungen von Bierrezepten sind Tausende Jahre alt. Schon die Babylonier kannten 20 verschiedene Sorten. Fragen und Antworten rund um den beliebten Gerstensaft.



Die Deutschen lieben das Bier. Vielfach über alle Maßen, wie der gestern veröffentlichte Suchtreport zeigt. canicula-Fotolia.com

Seit wann wird Bier gebraut? 

Bier gibt es vermutlich schon, seit der Mensch Getreide isst. Bereits im dritten Jahrtausend vor Christus war Bier in Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris, populär.

Die Kunst des Brauens kam von den Kulturen des Vorderen Orients in den Mittelmeerraum und erreichte mit den Römern auch Germanien. Hier wurde sie im Mittelalter vor allem in den Klöstern weiterentwickelt. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts lag das Hauptgewicht der Produktion in Norddeutschland, verschob sich aber dann nach Bayern. Mit den technischen Möglichkeiten des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Bierproduktion vom Handwerk zu einem bedeutenden Industriezweig. 

Was hat es mit dem deutschen Reinheitsgebot auf sich? 

Am 23. April wurde vor fast 500 Jahren das deutsche Reinheitsgebot proklamiert. Das vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. 1516 erlassene Gebot gilt im Kern noch heute. Laut Gesetz darf Bier nur aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe hergestellt werden. Chemische und andere Zusätze sind verboten. Damit ist das Reinheitsgebot nach Angaben des deutschen Brauerbundes das älteste noch heute gültige Lebensmittelgesetz der Welt.

Bevor Hopfen zur Konservierung und Aromatisierung verwendet wurde, kamen verschiedenste Kräuter und Gewürze zum Einsatz: Wacholder, Wermut, Kümmel, Lorbeer, Rosmarin oder Anis - aber auch heute seltsam anmutende Zusätze wie Ochsengalle und vermutlich das schon bei den alten Germanen als Droge bekannte Bilsenkraut. 

Wie steht es mit ausländischen Bieren? 

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 1987 dürfen ausländische Biere mit Zusatzstoffen in Deutschland verkauft werden. Die mehr als 1.300 deutschen Brauereien setzen bei ihren über 5.000 verschiedenen Sorten aber weiter auf das Reinheitsgebot. Jetzt hoffen die Brauer darauf, dass es - wie die türkische Kaffeekultur oder die Mittelmeerdiät - auf die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt wird. Das würde im Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten helfen. 

Woher kommt das Wort "Bier"? 

Das wissen selbst Sprachwissenschaftler nicht so genau, es gibt mehrere Erklärungsversuche: Denkbar ist ein Zusammenhang mit dem germanischen Wort für Gerste oder Getreide. Eine andere Erklärung könnte die Geschichte des Gerstensafts liefern: Da Bier zuerst in Klöstern gebraut wurde, sei die Herleitung vom spätlateinischen "biber" (Trank) zum lateinischen "bibere" (trinken) möglich, glauben einige Forscher. Die Fachleute halten auch eine Verwandtschaft mit "brauen" für wahrscheinlich. Das italienische Wort "birra" geht auf das Deutsche zurück, das französische Wort "bière" ist dem Niederländischen entlehnt. 

Wie steht es um den Bierdurst der deutschen Bevölkerung? 

Seit vielen Jahren geht die Produktion stetig zurück. Der wichtigste Grund liegt nach Angaben des Brauer-Bundes in der Bevölkerungsentwicklung. Es gibt immer weniger junge Menschen - und die haben offenbar andere Konsumgewohnheiten als ihre Eltern.

Im Ausland aber bleibt die Nachfrage nach deutschem Gerstensaft hoch: An der Spitze der Exportmärkte stand im vorigen Jahr Italien, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden. "Ermutigende Trends" sehen die deutschen Brauer auch in China und den USA. In Deutschland werden alkoholfreie Sorten immer beliebter. Beim europäischen Konsum liegen übrigens seit Jahren die Tschechen an der Spitze. 

von Michael Kirner, dpa


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