ck/dpa
13.08.13 / 09:44
Gesellschaft

Nach dem Einbruch kommt die Angst

Brechen Diebe ins Haus ein, erleiden ihre Opfer oft mehr als nur finanziellen Schaden. Ein Interview mit Horst Czerny vom Opferschutzverband "Weißer Ring".



Ein Einbruch hinterlässt in der Wohnung nicht nur Chaos und Scherben, auch psychisch geht bei den Opfern zumeist etwas zu Bruch. WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

Frage: Nehmen wir an, bei mir wird eingebrochen, vielleicht erwische ich den Dieb sogar auf frischer Tat und er entkommt. Was belastet mich dann im Nachhinein am meisten? 

Czerny: Sie sind natürlich schockiert, sie schlafen schlechter, vielleicht ärgern Sie sich über die Polizei, die nach Ihrem Eindruck mehr verwaltet als ermittelt. Aber Sie werden am stärksten mit ihrem seelischen Befinden zu kämpfen haben, die materiellen Schäden begleicht ja eine Versicherung. Das geht zwei von drei Opfern eines Einbruchs so. Als Opfer bleiben Sie sitzen auf Ihrer Angst und auf psychosomatischen Störungen, die sehr, sehr lange anhalten können.  

Was kann ich am besten tun, um mir helfen zu lassen? 

Suchen Sie das Gespräch. Man sollte das Geschehene nicht zu kleinreden, man sollte darauf achten, dass man genau für sich erkennt, ob man eine qualifizierte Hilfe braucht. Fragen Sie sich: Soll ich mit einem Hausarzt sprechen, um das Erlebte zu verarbeiten, oder brauche ich den Rat eines Therapeuten? Je länger man sich selbst auseinandersetzt mit dem Problem, desto größer ist das Risiko, dass sich die Gefahr verankert, dass man sich in Gedanken immer wieder damit beschäftigt. 

Einen Rat kann ich mir doch auch bei meinen Freunden holen. 

Natürlich können Sie das, aber im Bekanntenkreis werden Sie schnell den Satz hören "Stell Dich nicht so an, es ist doch nichts passiert". Die Verwandten und Freunde denken vor allem an den direkten Kontakt mit dem Täter, den es beim Einbruch ja womöglich nicht gab.

Für die meisten ist es ein viel größeres Problem, dass ein fremder Mensch in der Wohnung war, im unmittelbaren Lebensraum, der zuvor für viele als sicher gilt, dass er im Schrank gewühlt und vielleicht die Wäsche angefasst hat. Der Ekelfaktor ist nicht zu unterschätzen. Aber es ist schwer, sich in die Lage des Opfers zu versetzen, auch für Freunde. 

Wenn Freunde nicht infrage kommen und ich keinen Therapeuten aufsuchen will, was mache ich dann?

Wir haben hier Hilfsorganisationen, staatliche oder nichtstaatliche. Opfer können sich immer an uns wenden, es gibt Traumazentren in Fulda und Frankfurt, es gibt staatliche Einrichtungen für Gesprächstherapien in Hanau, Gießen, Wiesbaden und Kassel. Verarbeiten heißt auch, darüber zu sprechen. Dieses Verarbeiten muss sein, man darf es nicht verdrängen, denn wenn man verdrängt, kann es wieder hochkommen.


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