Susanne Theisen
09.03.15 / 11:10
Gesellschaft

Vergessene Nachrichten

Worüber berichten die Medien eigentlich nicht? In ihrer jährlichen Top Ten der vergessenen Nachrichten macht die Initiative Nachrichtenaufklärung darauf aufmerksam. Auf Platz 4 landete in diesem Jahr der Pfusch mit Patientendaten.



Journalisten legen in ihrem Arbeitsverhalten offenbar oft ein Schwarmverhalten an den Tag: Alle berichten über dieselben Geschehnisse, während andere wichtige Ereignisse medial geradezu ausgeblendet werden. Das gilt auch für Gesundheitsthemen. imaginando - Fotolia

Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) wurde 1997 an der Universität Siegen gegründet. Im Rahmen von Lehrveranstaltungen im Studiengang Medienwissenschaften beobachteten Dozenten und Studierende, dass Themen in der medialen Berichterstattung nicht zufällig unerwähnt bleiben. Ihrer Erkenntnis nach waren und sind strukturelle Probleme des Journalismus dafür ausschlaggebend.

Das Rudel- beziehungsweise Milchkuhverhalten

„Ein solcher, durchaus kritisierenswerter, Mechanismus ist das Rudelverhalten von Journalisten“, sagt INA-Geschäftsführer Hektor Haarkötter in einem Radiointerview auf WDR5 anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Top Ten Ende Februar. „Sie berichten gerne über das, worüber andere Journalisten berichten. Wir nennen das das Milchkuhverhalten. Wir gehen an den Euter, an dem schon jemand Anderes dran war, weil wir wissen: Da ist die Milch lecker“, ergänzt der Professor, der an der Kölner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft lehrt.

Mit ihrer Top Ten versucht die INA, diesen Mechanismus auszuhebeln. Damit wichtige Nachrichten nicht ins Hintertreffen geraten, ruft der in Köln ansässige Verein die Öffentlichkeit zur Mitarbeit auf. Jeder kann Themen über die INA-Website einreichen - auf Wunsch auch vertraulich.

„Wir bekommen im Schnitt zwei- bis dreihundert Vorschläge im Jahr. Studierende gehen diesen Themen in Rechercheseminaren und Lehrveranstaltungen an verschiedenen Universitäten in Deutschland sukzessive auf den Grund“, erklärt Haarkötter im WDR. Geprüft werde unter anderem, was wirklich an der eingereichten Story dran sei und ob sie eine hohe gesellschaftliche Relevanz habe. Am Ende bleiben nach Angaben des INA-Geschäftsführers etwa 30 Themen übrig, aus denen die Jury dann die Top Ten auswählt.


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