ck/pm
06.08.13 / 10:42
Medizin

Abwertung macht Adipöse krank

Die Mehrheit der Deutschen hat eine negative Meinung von adipösen Menschen. Sie denken, sehr dicke Menschen seien faul, dumm, disziplinlos und selbst schuld an ihrem Übergewicht.



Fettleibige leiden unter den negativen Vorurteilen, die ihnen entgegen gebracht werden. Durch die Stigmatisierung von Adipositas nehmen die Betroffenen aber nicht besser ab, sagen die Forscher. Visum

Wie sich diese Haltung auf die Betroffenen auswirkt, hat eine Studie der Universität Leipzig untersucht. In der repräsentativen Erhebung der der Universitätsmedizin Leipzig und des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) AdipositasErkrankungen wurde bei 1.158 übergewichtigen und adipösen Frauen und Männern ab 14 Jahren per Fragebögen untersucht, wie weit sie negative gewichtsbezogene Meinungen und Vorurteile (Stereotypen) für sich annehmen, selbst stigmatisieren und ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen haben.

Selbststigma mindert den Selbstwert

Das sei vor allem der Fall, wenn das Selbststigma den Selbstwert mindert. "Wenn das negative Fremdbild zum Selbstbild wird, benötigen diese Menschen psychotherapeutische Hilfe, um das schädliche Selbststigma zu überwinden. Auch in der Behandlung der Adipositas ist es wichtig, darauf zu achten und es nicht weiter zu vertiefen", unterstreicht Studienleiterin Prof. Dr. Anja Hilbert.

Anders als bislang angenommen zeigte diese Studie, dass adipöse Menschen aufgrund des Selbststigmas nicht seltener, sondern häufiger zum Arzt gehen. Dies scheint auf den als schlechter wahrgenommenen Gesundheitszustand und die Annahme, dass man selbst nicht wirklich etwas verändern kann, zurückzugehen.

Angst vor Ablehnung durch den Arzt

Es gibt allerdings auch Studien, die belegen, dass die Gesundheitsversorgung stark übergewichtiger Menschen schlechter ist als die normalgewichtiger. So suchen adipöse Männer und Frauen beispielsweise seltener Vorsorgeuntersuchungen auf, weil sie aufgrund ihres Gewichts Ablehnung oder Abwertung in der Behandlungspraxis befürchten.

Die weitere Forschung werde zeigen, ob das Selbststigma im Sinne einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" zu Nachteilen in anderen Lebensbereichen, etwa im Berufsleben, führt. Klar sei heute schon, dass Stigmatisierung von Adipositas nicht dazu beiträgt, dass die Betroffenen besser abnehmen.

Hilbert A, Braehler E, Haeuser W, Zenger M. Weight bias internalization, core self-evaluation, and health in overweight and obese persons. Obesity; doi: 10.1002/oby.20561


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