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24.10.12 / 08:10
Medizin

Brustkrebs: Neue Diagnostik mit weniger Strahlungsbelastung

Mit einer neuen Röntgenmethode wollen Forscher die Brustkrebsfrüherkennung grundlegend verbessern. Mit deutlich reduzierter Strahlendosis wird das Drüsengewebe in bisher unerreicht hoher Auflösung abgebildet.



DAK Gesundheit

Für eine an Brustkrebs erkrankte Frau ist die frühzeitige Diagnose der Erkrankung entscheidend. Bei allen etablierten Screeningprogrammen wird eine Fehlentdeckungsrate von bis zu 20 Prozent angenommen, da mit der Mammografie als Projektionsverfahren kleinere Tumoren durch Drüsengewebe überdeckt werden und damit die Diagnostik nicht ganz sicher ist.

Falscher Alarm belastet

Dies betrifft insbesondere Frauen mit sehr dichtem Drüsengewebe. Wenn fälschlicherweise ein abnormer Befund beschrieben wird, der sich bei Folgeuntersuchungen als Fehlbefund herausstellt, kann dieser "falsche Alarm“ die Frauen nachhaltig belasten.

Die neue Methode übertrifft herkömmliche mammografische und computertomografische Verfahren in mehrfacher Hinsicht: Sie liefert dreidimensionale computertomografische (CT) Bilder, die eine um das zwei- bis dreifach erhöhte Auflösung aufweisen. Entscheidend ist, dass dieser Ansatz mit einer etwa 25-mal niedrigeren Strahlendosis auskommt als es bisher möglich war.

Die hohen Strahlungsdosen einer Computertomografie der Brust bei hoher Strahlungsempfindlichkeit des Brustdrüsengewebes hatten bislang den Einsatz von CT-Verfahren in der Brustkrebsfrüherkennung verhindert. 

Um die Computertomografie auch für das strahlungssensitive Brustgewebe ausreichend sicher zu machen, setzten die Forscher auf hochenergetische Röntgenstrahlung, die Gewebe unter niedriger Dosisbelastung durchdringen kann.

Besser Röntgen durch geringere Dosis

Eine zusätzliche Dosisminimierung ermöglicht die Anwendung der sogenannten Phasenkontrastbildgebung, eine Röntgenmethode die bei niedriger Dosis exzellente Bildkontraste liefert. Ein hierfür entwickelter mathematischer Algorithmus erlaubt die Rekonstruktion kontrastreicher und hochauflösender CT-Bilder auch bei deutlich reduzierter Strahlendosis.

Sehr hohe Bildauflösung

In Kombination lieferten diese Ansätze bei 512 Aufnahmen einer menschlichen Brust aus verschiedenen Perspektiven mehrere 3D-Bilder in unerreicht hoher Auflösung mit - im Vergleich zu herkömmlichen Mammografien - unerreicht niedriger Strahlendosis.

Im Test und ohne Hinweis auf die eingesetzten Verfahren bewerteten fünf unabhängige Radiologen am Institut für Klinische Radiologie der LMU die Bildschärfe, den Kontrast und die allgemeine Bildqualität dieser CT-Aufnahmen. Es ergab sich hierbei eine deutliche Überlegenheit der neuen Methode gegenüber den etablierten bildgebenden Röntgenverfahren.

Waffe gegen Brustkrebs

"Das neue Verfahren könnte der klinischen Anwendung der Computertomografie bei Brustuntersuchungen den Weg ebnen und uns damit eine wertvolle Waffe für den frühzeitigen und verbesserten Kampf gegen Brustkrebs in die Hand geben“, resümiert Professor Maximilian Reiser. Er leitet das Institut für Klinische Radiologie der LMU, das die nötige medizinische Expertise in das Projekt einbrachte.

Vorerst ist die neue Technologie noch in der laborbasierten Forschungsphase und kann noch nicht am Patienten eingesetzt werden. Eine Implementierung in die Klinikdiagnostik soll jedoch zeitnah erfolgen, erfordere jedoch noch die Entwicklung eines zum Screening geeigneten Geräts.

An der Methode arbeitete  ein Team aus Physikern, Radiologen und Mathematikern in Grenoble, München und Los Angeles.



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