sf/pm
14.05.13 / 14:36
Medizin

CMD nach Kaiserschnitt

Die steigende Kaiserschnittrate war das zentrale Thema auf dem 13. Deutschen Hebammenkongress in Nürnberg. Wichtig zu wissen ist, dass die Sectio auch Kiefergelenksbeschwerden triggern kann.



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"Die normale Geburt ist vom Aussterben bedroht“, sagte die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes, Martina Klenk, im Vorfeld des Kongresses, der unter dem Motto "Das Normale ist etwas ganz Besonderes“ stand. Wie ein Kind geboren werde, habe Auswirkungen auf das gesundheitliche Wohlergehen von Mutter und Baby.

Nach einem Kaiserschnitt seien die Neugeboren nicht nur anfälliger für Krankheiten, auch das Allergierisiko steige. Den Müttern bleibe zwar der unmittelbare Geburtsschmerz erspart. Dafür wachse die Gefahr von Thrombosen, Lungenembolien oder Blutungskomplikationen.

1.000 Euro mehr für einen Kaiserschnitt

Der Hebammenverband kritisiert, dass es trotzdem keinen Anreiz gibt, die Kaiserschnittrate zu reduzieren und Vaginalgeburten zu fördern. Für einen Kaiserschnitt könne das Krankenhaus etwa 1.000 Euro mehr abrechnen als für eine vaginale Geburt.

"Mehr Zurückhaltung bei Kaiserschnitten kann außerdem nur erreicht werden, wenn wir eine bessere personelle Ausstattung in den Kreißsälen haben. Jeder Frau muss unter der Geburt eine Hebamme verlässlich zur Seite stehen“, fordert die Verbandspräsidentin. Die Botschaft aus Nürnberg ist auch Kern der am 24. Mai folgenden Konsensus-Konferenz in Osnabrück. Dort wird der Expertinnenstandard zur "Förderung der physiologischen Geburt“ vorgestellt und diskutiert. 

Jede dritte Geburt wird mit dem Kaiserschnitt beendet

Jedes dritte Kind wird mittlerweile per Kaiserschnitt geboren und der Anteil steigt seit Jahren immer weiter an - dies sei das Ergebnis repräsentativer Analysen der Daten des Statistischen Bundesamts und der Versichertendaten der Barmer GEK von 2007 bis 2010 sowie einer zusätzlichen Versichertenbefragung. Innerhalb Deutschlands gebe es jedoch frappierende Unterschiede: Während demnach in Dresden nur 17 Prozent der Babys per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, sind es in Landau in der Pfalz drei Mal so viele (51 Prozent). Dabei mache die Re-Sectio fast ein Viertel aller Kaiserschnitte in Deutschland aus (23,6 Prozent im Jahr 2010).

Die Gründe für die regionalen Variationen liegen offenbar vor allem in unterschiedlichen Risikobewertungen der Geburtshelfer in den einzelnen Regionen. Andere bisher häufig genannte Begründungen, wie das steigende Alter der Mütter oder der explizite Wunsch der Eltern nach einem Kaiserschnitt scheinen dagegen nur eine untergeordnete Rolle bei der Erklärung der Unterschiede zu spielen.

Bundesweit kein einheitliches Vorgehen

"Es gibt in Deutschland kein einheitliches Vorgehen bei der Entscheidung darüber, ob ein Kaiserschnitt notwendig ist oder nicht“, sagt Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung. Das Problem betreffe dabei nicht nur einzelne Kreise, sondern sei vielmehr ein bundesweites Phänomen von unterschiedlichem Ausmaß.

Auf der Website www.faktencheck-kaiserschnitt.de  können Eltern auf einer interaktiven Deutschlandkarte ablesen, welche Kaiserschnitt-Häufigkeiten ihr Land- oder Stadtkreis aufweist. Eine interaktive Grafik zeigt, in welchen Situationen ein Kaiserschnitt zwingend geboten und in welchen auch eine natürliche Geburt durchaus möglich ist.

Kaiserschnitte können Kiefergelenkbeschwerden triggern

Dass Kaiserschnitte auch Kiefergelenksbeschwerden triggern können, weiß Dr. Andrea Diehl. Sie leitet in Berlin ein CMD-Kompetenzzentrum und ist Spezialistin der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und Therapie (DGFDT). Diehl: "Nach einer Schwangerschaft oder nach einem Kaiserschnitt stellt  sich der Uterus häufig nicht in eine anatomisch korrekte Position wieder ein, sondern bleibt verlagert in Retroversion oder bleibt in einer anterioren Restriktion fixiert. Die Retroversion entsteht infolge von Fibrosen an den Ligg. Teres bilateral, während die anteriore Restriktion eher durch einen Hypertonus der Ligg. Teres bedingt ist."

Beide Verlagerungen führen laut Diehl durch faszialen Zug zu einer veränderten Stellung des Sacrums in dessen Folge über den Zug der Dura mater (kollagene Membran) und der myofaszialen Läsionsketten eine Funktionsstörung der Kiefergelenke resultieren könne, weil die Dura mater am Os temporale ansetze.

"Infolge der Episiotomie kann es durch Narbenzug zu einer veränderten Position der Steißbeinspitze kommen, welche den Beckenboden aufspannt. Dadurch entsteht ein rotatorischer Zug auf die Dura mater und die myofaszialen Läsionsketten, welche sich nach unserer Erfahrung im Kompetenzzentrum häufig als Knackgeräusche am Ligamentum laterale des Kiefergelenks präsentieren und als Funktionsstörungen der suprahyoidalen Muskulatur. Das heißt es kommt zu Abweichungen der Mundöffnung im letzten Öffnungsdrittel, erklärt Diehl gegenüber zm-online.




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