ck/pm
11.12.12 / 08:53
Medizin

Chronische psychische Beschwerden bei OP-Patienten

Ein operativer Eingriff bedeutet für viele Menschen Stress. Diese Beschwerden sind aber oft keine vorübergehenden Sorgen hinsichtlich der bevorstehenden OP, sondern Hinweise auf psychische Störungen.



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 Die Ergebnisse der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie, an dergenommen hatten, sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PLoS ONE* veröffentlicht.

An der Studie der Forschergruppe um PD Dr. Henning Krampe, Psychologe an der Klinik für Anästhesiologie der Charité, Prof. Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie der Charité, und Prof. Elmar Brähler, Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig, nahmen 1.157 operative Patienten teil.

Zunächst wurde erfasst, wie viele Patienten mit einer bevorstehenden Operation an psychotherapeutischen Gesprächen interessiert waren und inwieweit dieses Interesse mit der erhöhten psychischen Belastung vor der Operation in Zusammenhang stand. Schließlich untersuchten die Wissenschaftler, ob es im Verlauf von sechs Monaten nach dem chirurgischen Eingriff zu Veränderungen der psychischen Beschwerden kam.

Die Depressionen bleiben

"Es ist auffallend, wie beharrlich Depressivität, Ängste, allgemeine psychische Beschwerden und Alkoholprobleme nach einem halben Jahr bei den Patienten mit Psychotherapie-Interesse erhöht bleiben“ sagt Krampe. "Diese Stabilität der Belastung in den verschiedensten Bereichen psychischer Störungen legt die Schlussfolgerung nahe, dass es sich dabei nicht um vorübergehende Sorgen und Stress wegen der Operation, sondern um chronische psychische Beschwerden handelt, die eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich machen.“

Nicht nur aus psychotherapeutischer, sondern auch aus medizinischer Perspektive sei es notwendig, psychische Beschwerden chirurgischer Patienten zu behandeln: Unbehandelte Depression, Ängste und Suchterkrankungen tragen demnach zu operativen Komplikationen sowie zu einer schlechteren Genesung nach der Operation bei. Sie befördern so insgesamt einen ungünstigeren Krankheitsverlauf der organmedizinischen Krankheit bis hin zu erhöhter Mortalität, betonen die Forscher.

Längerer Klinikaufenthalt, schlechtere Genesung

"In weiteren Untersuchungen konnten wir zeigen, dass über 30 Prozent der operativen Patienten unter klinisch bedeutsamer Depressivität leiden und dass erhöhte Depressivität bei diesen Patienten einen wesentlichen Risikofaktor für eine längere Krankenhausverweildauer darstellt“, erklärt Spies.

Ziel des Therapieprogramms sei daher, psychische Beschwerden von operativen Patienten zu erkennen, diagnostisch zu bestimmen und wirksam zu behandeln. Spies: "Langfristig trägt dieser Ansatz zur Steigerung der gesamten Lebensqualität und zu einer verbesserten Genesung der organmedizinischen Krankheiten unserer Patienten bei.“

Mit dem neuen Programm hätten Patienten die Möglichkeit noch während des Krankenhausaufenthaltes psychotherapeutische motivierende Gespräche, eine ausführliche psychologische Diagnostik und unterstützende Therapiekontakte zu erhalten.

"Schließlich bekommen Patienten mit diagnostizierten psychischen Störungen und Therapieinteresse individuell ausgerichtete psychotherapeutische Brückengespräche, die ihnen dabei helfen, möglichst schnell und effektiv Zugang zu langfristigen Therapieangeboten der psychosozialen Regelversorgung zu finden“, erläutert Krampe. Eine erste klinische Studie offenbart Krampe zufolge, dass sich dieses Vorgehen erfolgreich in den Kontext der anästhesiologischen und chirurgischen Krankenhausversorgung integrieren lässt.


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