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24.07.13 / 10:20
Medizin

Dank Früherkennung: Darmkrebs geht zurück

In Deutschland müssen weniger Menschen wegen Darmkrebs im Krankenhaus behandelt werden. Zu diesem Ergebnis kommt der gestern in Berlin vorgestellte "Report Krankenhaus 2013" der Barmer GEK.



Die rückläufige Darmkrebsbehandlung in den Kliniken liegt an dem Wert der Früherkennung, sagt Rolf-Ulrich Schlenker Vizechef der Barmer GEK. Er will deshalb in Bayern ein individualisiertes Einladungsverfahren testen. Focus-Infografik

Mit jährlich rund 69.000 Neuerkrankungen ist Darmkrebs eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Zwischen 2005 und 2012 sank die Zahl der Betroffenen indes um gut ein Fünftel, auch Chemotherapie und Bestrahlung gehen zurück. "Diese erfreuliche Entwicklung lässt den Rückschluss zu, dass mithilfe gezielter Vorsorgemaßnahmen Darmkrebs heute so früh erkannt wird, dass er seltener im Krankenhaus behandelt werden muss“, sagte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK.

Das Autorenteam des Barmer GEK Reports um Prof. Dr. Eva Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) konnte auch Veränderungen in der Darmkrebsbehandlung belegen. Schonendere laparoskopische Operationstechniken haben in den vergangenen sieben Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Ihr Anteil stieg von fünf auf 15 Prozent. Allerdings wuchsen auch die Fallkosten: "Die Kosten je Betroffenem für die Behandlung von Darmkrebs im Krankenhaus sind zwischen 2005 und 2012 um 21 Prozent gestiegen, von durchschnittlich 9.316 auf 11.314 Euro“, sagte Bitzer.

Ein Drittel der Patienten beklagt Komplikationen

Für den Reports wurden auch rund 800 Frauen und Männer befragt, die 2012 stationär wegen Darmkrebs behandelt wurden. Ein Drittel der Betroffenen klagt dabei über Komplikationen. Am häufigsten werden Wundheilungsstörungen (15,4 Prozent) und Darmverschluss (4,1 Prozent) genannt. Patienten erleben zudem häufig Scham und soziale Einschränkungen.

Laut Schlenker belegt die rückläufige Darmkrebsbehandlung in den Kliniken den Stellenwert der Früherkennung. Man wolle die Impulse durch das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz nutzen, um die Aufklärung weiter auszubauen. "Eigentlich ist ab 2017 geplant, routinemäßig zu Vorsorgeuntersuchungen einzuladen. Die Barmer GEK wird dies voraussichtlich früher tun, ein entsprechendes individualisiertes Einladungsverfahren wollen wir in Bayern erproben“, erläuterte Schlenker.

Das Gesamtbild der stationären Versorgung war 2012 durch unverändert hohe Behandlungszahlen, einen Rückgang der Verweildauer je Behandlungsfall und eine geringfügig niedrigere Gesamtverweilzeit gekennzeichnet. "Unverändert setzt sich ein seit den neunziger Jahren beobachteter Trend fort. Auch 2012 sind die Aufenthalte im Krankenhaus im Durchschnitt kürzer als im Vorjahr“, teilte Bitzer mit. Waren es bis 1992 mehr als 13 Tage, sank die Verweildauer 2012 auf 8,3 Tage. Die Behandlungshäufigkeit blieb 2012 gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert (189 Fälle je 1.000 Versicherte gegenüber 190 im Jahr 2011). Beide Effekte führen dazu, dass die Gesamtverweildauer 2012 geringfügig zurückging.

"Mehr Mitspracherecht für Krankenkassen"

Schlenker sieht für die kommende Legislaturperiode eine Reform im Krankenhausbereich vorgezeichnet. "Wir müssen das Mengenproblem in den Griff bekommen, indem wir die medizinisch nicht zwingend notwendigen Behandlungen verhindern. Wir wollen außerdem die Qualitätssicherung im Krankenhaus vorantreiben und eine Lösung dafür finden, dass sich die Bundesländer immer mehr aus der Finanzierung der Krankenhausinvestitionen zurückziehen.“ Einen wichtigen Ansatzpunkt sieht er in Direktverträgen zwischen Kliniken und Krankenkassen für planbare Behandlungen. Krankenkassen sollten zudem mehr Mitspracherecht bei der Krankenhausplanung bekommen.

Weitere Ergebnisse: 

  • Behandlungszeiten: Die Behandlungszeit bei Kreislauferkrankungen sank von 1990 bis 2012 um 44 Prozent - von 380 Behandlungstagen je 1.000 Versicherte auf 213 Behandlungstage. Im Gegenzug nahm die Verweildauer wegen psychischer Erkrankungen aber erheblich zu. 1990 wurden 175 Behandlungstage je 1.000 Versicherte gezählt, 2012 waren es 293. Das entspricht einem Zuwachs von gut Zweidrittel.
  • Kosten: Ein durchschnittlicher Barmer GEK Versicherter hat im vergangenen Jahr 1,9 Tage im Krankenhaus zugebracht und dabei Kosten von 792 Euro verursacht. Während die Kosten bei Kindern zwischen fünf und neun Jahren jährlich im Schnitt unter 200 Euro lagen, betrugen sie bei Menschen über 80 Jahre mehr als 2.000 Euro. Hauptursache für die Kosten waren Krankheiten des Kreislaufsystems und Krebs.
  • Krankheitsarten: Die meisten Krankenhaustage entfielen 2012 mit 17,6 Prozent auf Behandlungen psychischer Störungen und Verhaltensstörungen. Den größten Anteil machten durch Alkohol bedingte Störungen aus. Für die Verweilzeiten sind allerdings Depressionen und Schizophrenien wegen ihrer langen Behandlungsdauer relevanter. Allein Depressionen machten 2012 allein  6,3 Prozent aller Behandlungstage aus.

Mehr Informationen und Materialien zum Download  findet sich hier.


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