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17.10.12 / 11:28
Medizin

Der Palliativgedanke hat sich durchgesetzt

Seit fünf Jahren ist die Palliativmedizin Pflichtfach im Medizinstudium. Ein Gespräch mit Deutschlands erstem Honorarprofessor für unheilbar Kranke.



AOK-Mediendienst

Die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) richtet deutschlandweit die erste Honorarprofessur für "Palliative Care" ein. Der Internist und Palliativmediziner Jens Papke wird am heutigen Mittwoch offiziell an der Fakultät für Gesundheits- und Pflegewissenschaften bestellt.

Schon in acht Jahren rechnen Experten mit mehr als fünf Millionen Deutschen, die älter als 80 Jahre sind. Der 51-jährige Arzt aus dem ostsächsischen Neustadt spricht hier darüber, wie die Versorgung dieser Menschen zukünftig bewältigt werden kann. 

Welche Rolle spielt die Palliativmedizin derzeit?
Papke: "Das Thema wird immer wichtiger: Seit etwa 15 Jahren können wir von einer zunehmenden palliativen Versorgung sprechen. Die Medizin und die medizinische Pflege verstehen die Palliativmedizin inzwischen als Herausforderung und nicht mehr als eigenes Versagen. Seit 2007 gibt es zudem einen gesetzlichen Anspruch, was wiederum dazu geführt hat, dass eine sehr heterogene Versorgungslandschaft entstanden ist. In Sachsen sind etwa drei Viertel abgedeckt, aber gerade im ländlichen Raum gibt es noch einige weiße Flecken." 

Worin unterscheiden sich Hospizangebote und palliative Pflege?
"Die Hospizbewegung ist eine ehrenamtliche Bewegung, die Angehörige ins Leben gerufen haben, weil sie ihre eigenen Erfahrungen mit Schwerstkranken weitergeben wollten. Der Palliativgedanke hingegen bezieht sich auf die medizinische Betreuung Schwerstkranker und Sterbender, der sich inzwischen in allen Fachbereichen durchsetzt. So ist die Palliativmedizin seit 2007 ein Pflichtfach im Medizinstudium." 

Wie kam es zu der Idee, an der WHZ eine Honorarprofessur einzurichten?
"Seit 2005 hatte ich in Zwickau einen Lehrauftrag. Für die damalige Dekanin war das Thema eine Bereicherung und so entstand die Idee einer Honorarprofessur. Für mich als praktischen Palliativmediziner ist die Arbeit mit Studenten zudem eine spannende Abwechslung." 

Wie schwierig ist es, Studenten für dieses sensible Thema zu begeistern? 
"Ich hatte zunächst auch meine Bedenken, doch da die meisten Studierenden aus der pflegerischen Praxis kommen, sind die Berührungsängste gering. Als Pfleger kann man in diesem Bereich mit dem Arzt auf Augenhöhe agieren. Mit meiner Honorarprofessur möchte ich dazu beitragen, dieses Selbstbewusstsein zu stärken. Auch die Akademisierung müssen wir weiter vorantreiben." 

Sie engagieren sich auch in einem gemeinnützigen Verein für Palliativpatienten?
"Ja, zusammen mit anderen niedergelassenen Onkologen habe ich den "Home Care Sachsen e.V." gegründet, weil wir mit unseren Krebspatienten nirgendwo hingepasst haben. Wir möchten unsere Palliativpatienten aber ambulant betreuen. Und auch hier bietet sich die Zusammenarbeit mit den Studenten der WHZ an. So arbeitet zum Beispiel eine Studentin momentan an einer großen Umfrage, um zu klären, welche Leistungen in der Praxis ankommen. Denn dazu gibt es bislang kaum Daten. Doch wenn wir auf die Versorgungslast vorbereitet sein wollen, die spätestens 2020 auf uns zukommt, müssen wir jetzt die notwendigen Strukturen schaffen."  



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