ck/dpa
08.10.13 / 15:05
Medizin

Ein ausgeklügeltes System

Packstationen, Adressaufkleber, Annahmestellen - jede Zelle eines Lebewesens verfügt über ein ausgeklügeltes Transportsystem. Der Medizin-Nobelpreis geht an drei Forscher, die diesen Mechanismus aufgeklärt haben



In Zellen werden Botenstoffe und viele andere Moleküle oft in winzige Bläschen verpackt und zielgenau weitergeleitet. Ähnlich wie im Briefzentrum der Post. Deutsche Post DHL

Für die Aufklärung der blitzschnellen Nervensignale erhält der gebürtige Deutsche Thomas Südhof (57) in diesem Jahr den Medizin-Nobelpreis. Der Neurochemiker teilt sich die Auszeichnung mit den US-Forschern James Rothman (62) und Randy Schekman (64).

Die drei Wissenschaftler entdeckten weitgehend unabhängig voneinander wesentliche Transportmechanismen in Zellen, deren Defekte Grundlage von Diabetes, Tetanus, degenerativen Nervenleiden und vielen anderen Krankheiten sind, teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

Damit die Zelle nicht im Chaos versinkt

In Zellen werden Botenstoffe und viele andere Moleküle oft in winzige Bläschen - sogenannte Vesikel - verpackt und zielgenau weitergeleitet. "Ohne diese wunderbar präzise Organisation würde die Zelle im Chaos versinken", schreibt das Nobel-Komitee. Viele neurologische Krankheiten gingen ebenso auf Defekte in diesem System zurück wie Immunstörungen und Diabetes, erläuterte die Vorsitzende des Komitees, Juleen Zierath. 

Was hat Südhof genau erforscht? "Wenn wir denken, werden Substanzen von einem Neuron zu einem anderen freigesetzt", erklärte Komitee-Mitglied Jan Andersson. "Südhof hat herausgefunden, wie das Freisetzen kontrolliert wird. Also wie man seine Gedanken und Bewegungen kontrollieren kann."

Wie ein Reißverschluss

Der Amerikaner Schekman hatte in Hefezellen Gene entdeckt, die für das Transportsystem in Zellen wichtig sind. Rothman fand in Säugetierzellen spezielle Proteine auf den Vesikeln, die - ähnlich wie bei einem Reißverschluss - genau zu Proteinen der Zellmembran passen. Finden sich passende Paare, öffnet sich das Bläschen und entlässt seine Fracht.

Nützlich seien die Erkenntnisse des Forscher-Trios etwa bei schweren Immunkrankheiten von Kindern, so Nobel-Komitee-Mitglied Jan Andersson. Weil entscheidende Gene identifiziert sind, könne man innerhalb weniger Tage feststellen, wo genau eine Funktionsstörung liegt und dann in das Immunsystem eingreifen.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit insgesamt umgerechnet 920.000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. 




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