ck/dpa
18.11.14 / 12:56
Medizin

Eine Droge mit großem destruktiven Potenzial

Die anfänglich euphorisierende und leistungssteigernde Wirkung von Crystal Meth spreche Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen an, die Droge habe aber erhebliches destruktives Potenzial, sagt der Experte Ingo Schäfer nach dem Rekordfund des Drogenrohstoffs Chlorephedrin.



Zuerst macht Crystal wach, dann Körper und Geist kaputt. Monkey_Business_Fotolia

Wie gefährlich ist Crystal Meth? 

Ingo Schäfer: Crystal Meth liegt weit oben auf der Skala. Unter den harten Drogen ist es eine mit erheblichem destruktiven Potenzial. Wenn die Leute abhängig werden, wird das bei einem Großteil auch deren Leben ein Stück weit bestimmen. Wenn sie es regelmäßig konsumieren, dann werden sie schnell an Grenzen kommen. Es ist eine gefährliche Droge, die man ernst nehmen muss. 

Aber was macht Crystal so attraktiv? 

Die Droge entfaltet eine sehr schnelle und starke und zunächst auch mal sehr angenehme Wirkung: starke Euphorie, erhöhte Wachheit, Aufmerksamkeit. Dadurch spricht es eben Konsumenten in unterschiedlichen Lebenssituationen an - traditionell am ehesten in der Freizeit bei Partygängern.

Aber wir haben auch unterschiedliche Gruppen identifizieren können, die das im Arbeits- und Schulkontext nutzen. Auch Menschen mit psychischen Störungen, die sich darüber sogar ein Stück stabilisieren, die sind in Selbstmedikation. Es gibt also verschiedene Gruppen und daher auch die Gefahr, dass es doch noch in etwas breitere gesellschaftliche Schichten vordringen könnte. 

Kann man abschätzen, wie viele der Konsumenten auch davon süchtig werden? 

Es ist so, dass ein Großteil der regelmäßigen Konsumenten auch eine Abhängigkeit aufweist. Aber es fehlen uns nach wie vor gute epidemiologische Daten für die Bundesrepublik. Es ist ja doch ein relativ neues Problem, diese Dynamik, die die Crystal-Meth-Problematik aufnimmt. Es gibt durchaus aber auch einzelne Hinweise darauf, dass es Menschen gibt, die über Jahre hinweg auch Kleinstdosen konsumieren, um zum Beispiel bestimmte Tätigkeiten im Beruf hinzukriegen, um mithalten zu können, um fit zu bleiben. 

Wie hat sich die Verbreitung der Droge in Deutschland in den vergangenen Jahren entwickelt? 

Seit 2009 hat das vor allem in den Bundesländern, die an Tschechien angrenzen, spürbar zugenommen. Es war dort auch schon die Jahre davor bekannt, und es gibt in den Regionen auch Leute, die schon seit Jahrzehnten Crystal konsumieren, aber in den letzten vier bis fünf Jahren, insbesondere in den letzten drei Jahren hat das nochmal deutlich an Fahrt aufgenommen. Inzwischen gibt es dort unter den Leuten, die für illegale Substanzen Hilfe in Beratungsstellen suchen, in ganz erheblichem Umfang Crystal-Konsumenten. 

Wie kam es zu diesem raschen Anstieg? 

Da gibt es keine einfache Antwort. Möglicherweise geht die Dynamik auch von den Herstellern und Vertreibenden aus. Das sind ja überwiegend vietnamesische organisierte Händlerringe in der Tschechischen Republik, die das in großem Umfang herstellen. Die haben ganz offensichtlich in den letzten Jahren verstärkt auch den deutschen Markt ins Visier genommen. 

Priv.-Doz. Dr. med. Ingo Schäfer ist Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und der Geschäftsführer des Zentrums für interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg. 

Die Fragen stellte Jürgen Bätz, dpa.


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