ck/dpa
29.11.12 / 09:33
Medizin

Extrem-Frühchen in Greifswald gerettet

Doppeltes Wunder: Zwillinge mit einem Gewicht von nur 500 und 600 Gramm sind in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) gerettet worden.



Ein Ehepaar verbringt auf Rügen seinen Urlaub, als bei der Frau viel zu früh die Wehen einsetzen. Das winzige Zwillingspärchen überlebt mit Hilfe von Ärzten in Greifswald. Jetzt können die Babys mit den Eltern in die niedersächsische Heimat zurückkehren.

Risikospontangeburt nach der 22.  Woche

Das Mädchen und der Junge hatten am 12. August in einer Risikospontangeburt nach 22 Schwangerschaftswochen und sechs Tagen das Licht der Welt erblickt. Inzwischen können die Frühchen eigenständig atmen, müssen aber weiterhin stationär betreut werden, wie das Universitätsklinikum am Mittwoch mitteilte.

Leonie wiegt jetzt 1.815 Gramm, ihr Bruder Niklas 2.200 Gramm. Nach fast dreieinhalb Monaten geht es für die Familie nun in die niedersächsische Heimat. "Die Mediziner aller Fachrichtungen haben an einem Strang gezogen, um das kleine doppelte Wunder möglich zu machen", sagte der Leiter der Neonatologie, Professor Matthias Heckmann. 

Normalerweise gilt die 24. Schwangerschaftswoche als unterste Grenze für die Überlebensfähigkeit. Unter der 24. Schwangerschaftswoche liegen nach Angaben der Klinik die Überlebenschancen der Neugeborenen bei 20 bis 30 Prozent. Sieben beziehungsweise acht von zehn in dieser Zeit geborene Kinder sterben. 

Nach derzeitigem Stand sind laut Heckmann keine schweren bleibenden Schäden bei Leonie und Niklas zu erwarten. Komplikationen wie Hirnblutungen, die die geistige Entwicklung maßgeblich beeinträchtigen können, habe es bei den Zwillingen nicht gegeben.

Beide Babys hatten Lungen- und Darmprobleme

Die beiden Frühchen hatten Lungen- und Darmprobleme. Leonie musste an den Augen und am Herzen operiert werden. Da das Mädchen nicht transportfähig gewesen sei, wurde ein OP-Team des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) nach Greifswald geflogen.

"Extrem-Frühchen unter 1.500 Gramm haben es schwerer, ins Leben zu starten, aber die moderne Medizin eröffnet heute weitaus bessere Perspektiven als noch vor zehn Jahren", erklärte Heckmann. "Insofern hoffen wir auf eine positive Entwicklung." 



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