sp/pm
11.12.13 / 06:11
Medizin

Falsch ergänzt

Die Forscher vom Institut für Epidemiologie II am Helmholtz Zentrum München haben untersucht, wie häufig ältere Menschen Supplemente zu sich nehmen und welche Inhaltsstoffe dabei in welchen Dosen zugeführt werden.



© Heike Rau - Fotolia.com

Sie kamen zu interessanten Ergebnissen. Grundlage der analysierten Daten ist die KORA-Age Studie, die den Zusammenhang zwischen Lebensstilfaktoren und dem Gesundheitszustand von Personen im Alter von 65 Jahren oder älter im Raum Augsburg untersucht.

Etwa 54 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer über 64 Jahre nehmen ergänzende Nährstoffe, wie Vitamine, Mineralstoffe, oder sonstige Stoffe (wie Omega-3 Fettsäuren oder Coenzym Q10) in Form von Supplementen (Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel) ein.

Zigaretten, Geschlecht und Bildung 

Die Einnahmehäufigkeit hängt dabei neben dem Geschlecht auch mit der Bildung, der körperlichen Aktivität, dem Rauchverhalten und dem Vorliegen einer neurologischen Erkrankung zusammen. Bei Frauen sind die am häufigsten supplementierten Inhaltsstoffe Magnesium und Vitamin D, bei den Männern Magnesium und Vitamin E.

Für beide Geschlechter wurde beobachtet, dass die zugeführten Dosen an Magnesium und Vitamin E dabei die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit angegebenen tolerierbaren Tageshöchstmengen häufig überschreiten, fand die Arbeitsgruppe um Sigrid Schwab, Priv.-Doz. Dr. Barbara Thorand und Prof. Dr. Annette Peters heraus. 

Zu viel Magnesium, dafür zu wenig Vitamin D

Bei 20 Prozent der weiblichen beziehungsweise 33 Prozent der männlichen Teilnehmer, die regelmäßig Magnesium einnehmen und bei acht beziehungsweise 14 Prozent der Frauen und Männer, die Vitamin E regelmäßig zuführen, waren die verabreichten Supplement-Mengen zu hoch.

Vitamin D dagegen, dessen Supplementation in dieser Altersgruppe häufig medizinisch empfohlen wird, da es unter anderem den Knochenstoffwechsel positiv beeinflusst, wurde insgesamt von relativ wenigen alten Menschen eingenommen, berichteten die Wissenschaftler.

Empfänglich für Werbung

"Aktuelle und bevölkerungsbasierte Daten zur Einnahme von Supplementen bei älteren Menschen fehlen weitgehend für Europa. Dennoch ist diese Bevölkerungsgruppe aufgrund von altersbedingten Nährstoffdefiziten von besonderem Interesse", sagt Peters, Direktorin von EPI II. "Einen großen Einfluss bei der Auswahl der Präparate scheinen Industrie und Werbung zu haben. Ergebnisse wie diese sind daher wichtig, um sinnvolle Empfehlungen zur Nahrungsergänzung im Alter abgeben zu können."

Die KORA-Age Studie hat zum Ziel, Faktoren für ein gesundes und zufriedenes Altern zu identifizieren und die aktive Teilnahme älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben zu unterstützen.


Link zur Fachpublikation
http://link.springer.com/article/10.1007/s12603-013-0418-8


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