ck/pm
23.07.13 / 11:26
Medizin

Gefährliche Tabletten

Nahrungsergänzungsmittel sind ein Verkaufshit für Drogerien und Apotheken. Doch greifen gerade mit Nährstoffen gut versorgte Menschen oft nach Vitaminen und Mineralstoffen in Tablettenform. Und riskieren eine Überversorgung.



Vitamin C-Tabletten sind überflüssig bis ungesund. Wer frisches Obst isst, macht alles richtig. DAK-Gesundheit

Auf Basis der repräsentativen Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) haben Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts ausgewertet, welche Vitamine und Mineralstoffe von der Bevölkerung in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel oder sogenannte Supplemente genommen und welche Nährstoffmengen dadurch zugeführt werden.

Supplemente sind alle nicht über Lebensmittel zugeführten Nährstoffe, also Nahrungsergänzungsmittel, aber auch Medikamente mit Vitamin- oder Mineralstoffzusatz, wie Schmerzmittel mit Vitamin C.

Insgesamt 13.700 Frauen und Männer im Alter von 15 bis 80 Jahren wurden befragt. Die Teilnehmer mussten unter anderem an zwei Tagen - ohne vorherige Ankündigung der Termine - eine detaillierte Auskunft über den gesamten Verzehr der letzten 24 Stunden geben. Als Supplement-Nehmer galt, wer an mindestens einem der beiden Tage Nährstoffe zu sich genommen hatte.

Gesund essen genügt

Ergebnis: In Deutschland werden genug Nährstoffe über Lebensmittel aufgenommen, fast ein Viertel der Bevölkerung greift dennoch zu Supplementen. Dabei nehmen gerade die Personen Supplemente, die bereits durch eine günstige Lebensmittelauswahl eine gute Nährstoffzufuhr haben.

Dadurch steigt die jeweilige Nährstoffzufuhr erheblich, bis hin zu einer Überschreitung der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) angegebenen tolerierbaren Tageshöchstmenge. Ohne Berücksichtigung der zugeführten Nährstoffmengen über Supplemente ergab die Auswertung für die Gruppe der Supplement-Nehmer bei vielen eine über Lebensmittel zugeführte höhere Zufuhr an Folat oder auch Magnesium als bei denen, die keine Supplemente zu sich nehmen.

Außerdem nehmen mehr Frauen als Männer Supplemente ein (30 Prozent versus 19 Prozent). Der Anteil der Supplementnehmer in der Bevölkerung liegt möglicherweise sogar noch höher, weil die unregelmäßige oder periodisch erfolgende Einnahme methodisch bedingt nicht erfasst werden konnte.

Vitamin C, Magnesium und Calcium sind die Renner

Den geringsten Anteil an Supplement-Nehmern fanden die Wissenschaftler in der Gruppe der 15- bis 18-jährigen Frauen (10 Prozent) und den 19- bis 24-jährigen Männern (12 Prozent), wohingegen der Anteil in der Gruppe der 65 bis 80-Jährigen bei beiden Geschlechtern am höchsten ist (Frauen: 46 Prozent; Männer: 30 Prozent). Sowohl von Männern als auch von Frauen werden am häufigsten die Vitamine C und E sowie die Mineralstoffe Magnesium und Calcium supplementiert.

Beurteilt wurde die Versorgung auf Basis der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zusammen mit den Fachverbänden in der Schweiz und in Österreich herausgegebenen Referenzwerte (D-A-CH-Referenzwerte). Für Vitamin C, E, Niacin und Folsäure erreichen die Befragten allein durch Supplemente im Mittel zwischen 50 und 100 Prozent des Referenzwertes, für die Vitamine B1, B2 und B6 liegen sie sogar oberhalb des entsprechenden Wertes.

Völlig ausgerissene Werte durch Supplements

Über Lebensmittel und Supplemente zusammen erreichen Supplement-Nehmer im Mittel bei allen untersuchten Nährstoffen (mit Ausnahme von Jod) die jeweiligen Referenzwerte beziehungsweise überschreiten diese teilweise erheblich. Bei den Vitaminen B1, B2, B6 und C sowie Vitamin B12 (bei Männern) beträgt die mittlere Gesamtnährstoffzufuhr etwa das Doppelte des D-A-CH-Referenzwerts und bei Niacin das Dreifache.

Die von der EFSA angegebene tolerierbare Tageshöchstmenge wird insbesondere überschritten bei Magnesium und Vitamin A (von 16 Prozent beziehungsweise 13 Prozent der jeweiligen Supplement-Nehmer). Bei Jod muss man beachten, dass die Zufuhr über jodiertes Speisesalz und über damit hergestellte Lebensmittel nicht berücksichtigt wurde.


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