sp/pm
06.03.13 / 11:51
Medizin

Gehirn blendet unerwünschte Stimmen einfach aus

Wissenschaftler haben herausgefunden, wie das menschliche Gehirn das "Cocktailparty-Problem" löst.



Wir haben keine Möglichkeit, unsere Ohren zu verschließen, aber das Gehirn kann filtern. Zum Glück. DAK Gesundheit

Wenn sich viele Menschen auf engem Raum unterhalten, kann das Gehirn sämtliche uninteressanten Sprecher ausblenden, indem es die Hirnaktivität auf einen ausgewählten Gesprächspartner fokussiert. Das berichten amerikanische  Wissenschaftler im Fachjournal "Neuron".

Die Forscher spielten Epilepsie-Patienten gesprochene Sätze vor und maßen dabei deren Hirnströme. Dabei konnte die ausgewählte Rede in Hirnregionen, die komplexe Prozesse wie Sprache und Aufmerksamkeit steuern, deutlich nachgewiesen werden.

Nebengeräusche blendet das Gehirn aus

Die Geräuschimpulse sämtlicher anderer Sprecher hinterließen hingegen keine Spuren. Im auditiven Cortex (Hörzentrum) waren hingegen noch sämtliche Geräuschimpulse auszumachen. Dieser Bereich der Großhirnrinde dient der Bewusstwerdung und Verarbeitung von akustischen Reizen.

"Wir haben keine Möglichkeit, unsere Ohren zu verschließen. Sämtliche Geräusche werden im Gehirn dargestellt - zumindest als Sinnesreiz", erklärte Charles Schroeder von der Columbia Universität in New York, einer der Autoren der Studie.

"Es gibt allerdings Hirnbereiche, in denen lediglich ausgewählte Gesprächssegmente abgebildet werden - ignorierte Unterhaltungen werden offensichtlich ausgeblendet." Mit dem Ergebnis, dass man andere Sprecher kaum bis überhaupt nicht wahrnimmt, wenn man sich auf einen einzelnen konzentriert.

Hoffnung für Autisten und ADHS-Kranke

Für die Studie nutzten die Forscher Hirnstromaufzeichnungen von sechs Epilepsie-Patienten über den Zeitraum von einer Woche bis zu vier Wochen. Die Gehirnaktivitäten der Teilnehmer im Alter von 21 bis 45 Jahren wurden ohnehin mit Hilfe von Elektroden protokolliert - hauptsächlich um die für ihre epileptischen Anfälle verantwortlichen Hirnbereiche zu lokalisieren.

Die beteiligten Forscher der Columbia Universität, der Universität von Maryland und dem Long Island Jewish Medical Center hoffen, dass ihre Ergebnisse vor allem Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) oder Autismus von Nutzen sein können.


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