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28.05.13 / 08:38
Medizin

Hirn-OP bei schwerem Apoplex

Bei sehr schweren Schlaganfällen kann die operative Öffnung der Schädeldecke die Sterblichkeit bei über 60-Jährigen halbieren. Das ergab jetzt eine große Multicenter-Studie. Aber Risiken bleiben.



Schwerer Schlaganfall: Während 73 Prozent der nicht-operierten Patienten starben, waren es in der chirurgisch behandelten Gruppe nur 33 Prozent. TK

Mindestens die Hälfte der 5.000 Patienten, die jährlich in Deutschland einen schweren Media-Hirninfarkt erleiden, ist über 60 Jahre alt. Die meisten von ihnen sterben an einer massiven Hirnschwellung. Die Studie ging deshalb der Frage nach, ob dieser Eingriff auch bei den Älteren sinnvoll ist. Verglichen wurden zwei Gruppen, deren Altersdurchschnitt 70 Jahre betrug. Eine Entlastungskraniektomie erhielten 49 zufällig ausgewählte Schlaganfallpatienten.

Eindeutige Ergebnisse

Die anderen 63 Patienten behandelten die Ärzte mit den üblichen intensivmedizinischen Maßnahmen, aber ohne Operation. Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass die Studie abgebrochen werden musste: Während 73 Prozent der nicht-operierten Patienten starben, waren es in der chirurgisch behandelten Gruppe nur 33 Prozent.

OP wirft ethische Fragen auf

Allerdings überlebten viele Patienten diesen Eingriff nur mit schweren, bleibenden Behinderungen, so  Prof. Dr. Andreas Unterberg auf der 64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC). Deshalb müsse die Entscheidung über einen solchen Eingriff bei einem älteren Schlaganfallpatienten gemeinsam von Neurochirurgen, Neurologen, Angehörigen und - sofern möglich - auch mit dem Patienten selbst getroffen werden. "Die Ärzte sollten im Kreis der Familie besprechen, welche Einstellung der Patient zu einem Leben mit Behinderung hat“, empfiehlt Unterberg."Hier stellen sich grundsätzliche ethische Fragen, die wir diskutieren müssen.“

Gute Lebensqualität und wenig Behinderung

Die Aufgabe der Zukunft werde nun darin bestehen, Prognosefaktoren für den Erfolg einer Entlastungskraniektomie herauszuarbeiten. "Wir wollen auf wissenschaftlicher Basis herausfiltern, welche älteren Patienten von diesem Eingriff profitieren und mit guter Lebensqualität und wenig Behinderung überleben“, erläutert Unterberg.

Hintergrund: Gefürchtete Folge eines schweren Infarkts ist eine starke Hirnschwellung. Ohne Operation sterben daran bis zu 80 Prozent der betroffenen Patienten. Deshalb nehmen Neurochirurgen seit einigen Jahren bei unter 60-Jährigen eine sogenannte Entlastungskraniektomie vor, die das Leben der meisten Patienten rettet.

Bei dem Eingriff entfernen die Ärzte vorübergehend einen größeren Teil der Schädeldecke und öffnen die harte Hirnhaut über dem Schlaganfallgebiet mit einem Schnitt, damit die anschwellende Hirnmasse genügend Platz hat. "Zwar erleiden auch viele jüngere Patienten zunächst Lähmungen oder Sprachstörungen“, erklärt Unterberg. "Diese Einschränkungen bilden sich aber durch Rehabilitation teilweise zurück.“




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