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13.05.13 / 08:55
Medizin

Hypnose hilft bei OPs

Hypnose lindert Schmerzen, reduziert die psychische Belastung und fördert die Genesung nach chirurgischen Eingriffen - das ist das Ergebnis einer Meta-Analyse von Psychologen aus Jena und Bern.



Ob Selbsthypnose oder in Anwesenheit von Therapeuten - Forscher haben belegt, dass Hypnose bei OPs unterstützend wirkt. DAK Gesundheit

Seit mehr als 50 Jahren wird die Wirksamkeit von Hypnose im Rahmen chirurgischer Eingriffe untersucht. Da psychischer Stress den Heilungsprozess negativ beeinflussen kann, soll Hypnose den Patienten die Ängste nehmen, Schmerzen verringern und die Genesung beschleunigen. Inwieweit Hypnose das wirklich zu leisten vermag, wurde jetzt untersucht.

Aus der Fachliteratur wählten die Wissenschaftler anhand thematischer und qualitativer Kriterien 34 Studien mit insgesamt 2.597 Patienten aus, die zusätzlich zur Routinebehandlung Hypnose vor, während oder nach Operationen oder schmerzhaften medizinischen Eingriffen erhalten hatten. Dazu zählten beispielsweise gynäkologische oder Herzbypass-Operationen sowie die Versorgung von Brandwunden.

"Die Hypnose wurde in den meisten Studien von einem anwesenden Therapeuten durchgeführt, aber auch in Selbsthypnose mit Hilfe einer CD, und dauerte meist 30 bis 60 Minuten“, beschreibt Susan Tefikow vom Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Uniklinikum Jena die Bandbreite der Studien, die die Psychologin im Rahmen ihrer Dissertation analysierte.

Das zentrale Element der Hypnotherapie bestehe aus therapeutische Suggestionen, die auf Veränderungen in der subjektiven Wahrnehmung und im Verhalten der Patienten abzielen, berichten die Forscher. In der OP-Situation seien diese Suggestionen hauptsächlich auf die Vermittlung von Entspannung, die Reduzierung von Schmerzen und eine schnelle, komplikationslose Wundheilung ausgerichtet.

"In der Auswertung der Studien erwies sich Hypnose als wirksame Intervention“, fasst Tefikow das Ergebnis zusammen. Sie trage dazu bei, Ängste und Stress der Patienten zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und auch die Genesung nach dem Eingriff zu fördern.

Positive Effekte der Hypnose zeigten sich zudem auch in Bezug auf ökonomische Aspekte. Patienten, die eine Hypnotherapie erhalten hatten, benötigten im Vergleich zu Patienten ohne eine solche Behandlung durchschnittlich weniger Schmerzmedikamente, und der operative Eingriff konnte in kürzerer Zeit durchgeführt werden.

Unterstützung ist objektiv messbar

Mitautorin Dr. Jenny Rosendahl erklärt: "Unsere Analyse zeigte, dass Hypnose die Patienten bei der Bewältigung stressreicher Operationen oder schmerzhafter Eingriffe effektiv unterstützen kann. Dies kam nicht nur in den Einschätzungen der Patienten zum Ausdruck, sondern war auch an objektiven klinischen Kriterien messbar.“

Dass sich die Wirksamkeit der Hypnose sowohl anhand patientenrelevanter Aspekte wie psychischer Belastung oder Schmerzen, als auch in Bezug auf Genesung, Medikamentenverbrauch und Dauer des Eingriffs belegen lasse, sehen die Psychologen als ein wichtiges Ergebnis ihrer Meta-Analyse.

Eine Entscheidungsgrundlage

"Das kann auch als Entscheidungsgrundlage für Ärzte und Kostenträger dienen. Da es sich um eine Kurzzeitintervention handelt und zudem die Möglichkeit besteht, CDs einzusetzen, lässt sich Hypnose vergleichsweise einfach in die medizinische Routine einbinden“, so Tefikow.

"Patienten können bei chirurgischen Eingriffen vom Einsatz von Hypnose profitieren, aber es bedarf weiterer qualitativ hochwertiger Studien, um besonderes geeignete Hypnoseformern und Patientengruppen zu identifizieren und die Wirksamkeit weiter wissenschaftlich zu untermauern“, betont Rosendahl.

Die jetzt im Fachjournal Clinical Psychology Review veröffentlichte Meta-Analyse entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts zum Nutzen psychologischer Betreuung von chirurgischen Patienten, unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Tefikow S, Barth J, Maichrowitz S, Beelmann A, Strauss B, Rosendahl J. Efficacy of hypnosis in adults undergoing surgery or medical procedures: a meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Psychol Rev 2013; 33:623-636.


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