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15.12.15 / 17:03
Medizin

Impfen ohne Spritze

Forscher sind dabei einen Impfstoff zu entwickeln, der statt intramuskulär appliziert einfach als Aerosol inhaliert wird. Für die ersten Ergebnisse gab es den Nanomedicine Award 2015.



Impfungen werden meist per Injektion verabreicht. Die Immunisierung per Spritze erfordert indes hohe Anforderungen an die Sterilität stellt und darf nur von medizinisch geschultem Personal vorgenommen werden. Forscher suchen deshalb seit längerem nach Möglichkeiten, „nadelfrei“ zu impfen.

Impfstoffbeladene Nanopartikel

Einen vielversprechenden neuen Weg zu diesem Ziel zeigen die Ergebnisse eines Forscherteams auf, dem es gelang, impfstoffbeladene Nanopartikel zu entwickeln, die mittels eines Aerosols in die Lunge transportiert und dort über die Schleimhaut aufgenommen werden. Als Trägersubstanz verwendeten die Wissenschaftler das Biopolymer Chitosan. Sowohl bei Mäusen als auch in Testsystemen mit menschlichen Zellkulturen zeigte sich, dass diese Partikel die gewünschte   Immunreaktion hervorrufen.

Per Aerosol in die Lunge

„Dafür war bei den untersuchten Test-Impfstoffen die Aufnahme der Aerosole über die Lunge tatsächlich ausreichend. Durch impfstoffverstärkende Adjuvantien konnte der Einsatz der wirksamen Komponenten sogar noch um das Zehnfache verringert werden, ohne dass es zu Einbußen bei der Wirksamkeit kam“, erklärt Prof. Claus-Michael Lehr, leitender Wissenschaftler am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS). „Die Verabreichung auf Trägerpartikeln macht den Impfstoff zudem besonders robust: Eine Kühlkette für Transport und Lagerung ist nicht erforderlich.“

Derselbe Weg in den Körper

Ein Vorteil bei der Impfung über die Schleimhäute ist, dass der Impfstoff auf demselben Weg in den Körper gelangt wie viele Krankheitserreger - anders als bei der Verabreichung mittels einer Spritze“, sagt Prof. Carlos A. Guzmán, leitender Wissenschaftler am HZI. „Das erleichtert es dem Körper, eine wirksame Immunantwort aufzubauen.“

Die Forschung befindet sich aber noch in einem sehr frühen Stadium, bis die Methode als einsetzbares medikament im Handel sein wird, wird es noch eine Weile dauern, erklärte die Projektleiterin Dr. Andrea Hanefeld. 


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