sf/pm
22.04.14 / 10:45
Medizin

Insulin richtig spritzen

Viele Diabetespatienten spritzen sich mehrmals täglich Insulin, fast 90 Prozent nutzen dafür einen Pen. Was bei der Wahl der Hautpartie, bei Nadellänge und Einstich zu beachten ist, erklären Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).



Die Deutsche Diabetes Gesellschaft rät, kurzwirksames Insulin, das zu Mahlzeiten gespritzt wird, am besten in den Bauch verabreichen Dmitry Lobanov - Fotolia

Grundsätzlich gilt: Kurzwirksames Insulin, das zu Mahlzeiten gespritzt wird, sollte man am besten in den Bauch verabreichen. Langwirksame Humaninsuline dagegen applizieren Diabetiker besser in die Außenseite des Oberschenkels oder ins Gesäß.

„Damit die Haut sich nicht entzündet, sollte man die Einstichstelle innerhalb dieser Partien regelmäßig wechseln“, rät Privatdozent Dr. Erhard Siegel, Präsident der DDG. Eine solche Rotation könne nach vier Quadranten, die im Uhrzeigersinn aufgesucht werden, oder Wochentagen erfolgen. Je nachdem, welches Muster sich der Patient am besten merken könne, so Siegel.

Mischinsuline schwenken

Vor der Injektion muss der Patient sicherstellen, dass es sich um das richtige Insulin handelt - und die gewünschte Einstichstelle mit bloßem Auge auf Hautveränderungen absuchen. „Die Haut sollte sauber sein, nicht entzündet oder gerötet“, erläutert Prof. Dr. Andreas Frische, Mediensprecher der DDG. In Narben oder Muttermale sollte nicht gestochen werden. Trübe Insuline - sogenannte NPH- und Mischinsuline - müssten vor Verabreichung  20 mal sanft hin- und her geschwenkt werden, damit sich der Wirkstoff gut verteilt.

Insulin-Pen vor jeder Verwendung überprüfen

„Patienten, die einen Pen nutzen, prüfen vor der Injektion dessen Funktion“, empfiehlt  Fritsche. Dafür ein bis zwei Einheiten einstellen, den Pen senkrecht mit der Pennadel nach oben halten, Dosierknopf drücken und schauen, ob Insulin an der Nadelspitze austritt. Ist dies nicht der Fall, Vorgang wiederholen. Ist der Pen einsatzbereit, kann die gewünschte Insulindosis eingestellt werden.

Jetzt bildet der Patient mit Daumen und Zeigefinger an der Einstichstelle eine Hautfalte. „Idealerweise befördert man die Nadel senkrecht ins Unterhautfettgewebe, im 90-Grad-Winkel zur Einstichstelle“, sagt Siegel. Insulin langsam und gleichmäßig injizieren, Nadel noch etwa zehn Sekunden in der Haut lassen, damit nichts zurückfließt. Zum Schluss die Nadel wieder im 90-Grad-Winkel herausziehen, Falte loslassen.

Für die Nadellänge gilt: Da die Haut maximal drei Millimeter dick ist, sind Nadeln mit einer Länge von vier bis sechs Millimetern für Erwachsene ausreichend. „Ist an der Injektionsstelle genügend Unterhautfettgewebe vorhanden, um eine Injektion in den Muskel ausschließen zu können, kann auch bedenkenlos ohne die Bildung einer Hautfalte injiziert werden“, sagt Siegel.

In Lipohypertrophien wirkt das Insulin nicht richtig

Knapp die Hälfte aller insulinspritzenden Diabetespatienten weisen Lipohypertrophien auf. „Dabei handelt es sich um beulenartige Verdickungen, um Ansammlungen von Fettzellen, die man ertasten kann“, erklärt Fritsche. In diesen Lipohypertrophien schmerzt das Stechen weniger - weshalb Betroffene solche Stellen gerne für die Injektion auswählen. „Das Insulin kann dort aber nicht mehr richtig wirken“, warnt Fritsche. Mit der Folge, dass die Patienten sich immer höhere Dosen spritzen.

Wer den Eindruck gewinnt, das Insulin verliere seine Wirkung, sollte daher seinen Hausarzt, Diabetologen oder Diabetesberater aufsuchen. „Diese Experten können die Haut untersuchen und wertvolle Tipps sowie Hinweise rund ums richtige Insulinspritzen geben. Das so aufgefrischte Wissen sollte idealerweise immer auch gleich angewandt und vorgeführt werden“, erklärt Elisabeth Schnellbächer, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD).


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