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16.06.17 / 08:00
Medizin

Interessenkonflikte abseits der Industrie

Dass Sie keine Geschenke annehmen oder Einladungen nicht blind folgen sollten, ist selbstverständlich. Doch nicht alle Interessenkonflikte sind so eindeutig erkennbar.



Prof. Wilfried Wagner, stellvertretender AWMF-Präsident und Direktor der Klinik für MKG-Chirurgie in Mainz bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der aktuellen Empfehlungen zum Umgang mit Interessenkonflikten in Berlin. "Zu glauben, dass der Patient die einzige Triebfeder ärztlichen Handelns sei, ist blauäugig", erklärte Wagner vor der Presse. Für den Umgang mit den entsprechenden "Sekundärinteressen" wurde ein Regelwerk von der AWMF erarbeitet. zm-sf

„Nur durch ein einheitliches Format, das alle anwenden können, lässt sich verlässlich Transparenz schaffen“, betont Prof. Dr. med. Claudia Spies von der AWMF -  der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.. Mit Dr. jur. Albrecht Wienke leitet sie die Ad-hoc-Kommission der AWMF zum Thema Interessenkonflikte - gemeinsam haben sie Empfehlungen erarbeitet, an denen sich Ärzte und Zahnärzte orientieren können.

Alle Kosten in Verbindung mit einer Tagung sollten ausgewiesen werden

So sollten bei Kongressen und Tagungen sowohl die veranstaltende Fachgesellschaft als auch die Industrie deklarieren, welche Geld- oder Sachspenden, Sponsoringkosten, Honorare, Tagungs- oder Teilnehmergebühren von wem an wen und in welcher Höhe gezahlt werden. Zahlungen an die für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung beauftragten Professional Congress Organizer (PCO) sollen ebenfalls ausgewiesen werden.

Die AWMF weist außerdem darauf hin, dass Interessenkonflikte nicht nur in der Zusammenarbeit mit der Industrie entstehen können. Auch die Anforderungen von Universitäten an Wissenschaftler erzeugen zum Teil sekundäre Interessen, wenn es darum geht, Drittmittel einzuwerben oder in impact-starken Fachzeitschriften zu publizieren, um die wissenschaftliche Karriere voranzutreiben.

Weitere Empfehlungen zum Umgang mit Interessenkonflikten richtet die AWMF an die Fachgesellschaften:

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) bündelt die Interessen der medizinischen Wissenschaft und trägt sie verstärkt nach außen. Sie handelt dabei im Auftrag ihrer 175 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Gegründet 1962 mit dem Ziel, gemeinsame Interessen stärker gegenüber dem Staat und der ärztlichen Selbstverwaltung zu positionieren, erarbeitet die AWMF seitdem Empfehlungen und Resolutionen und vertritt diese im wissenschaftlichen und politischen Raum.

Die AWMF ist Ansprechpartner für gesundheitspolitische Entscheidungsträger, wie den Gemeinsamen Bundesausschuss, und koordiniert die Entwicklung und Aktualisierung medizinisch wissenschaftlicher Leitlinien in Deutschland. Jede gemeinnützige Fachgesellschaft in Deutschland kann Mitglied werden, sofern sie sich wissenschaftlichen Fragen der Medizin widmet. Die AWMF finanziert sich vorwiegend durch die Beiträge ihrer Mitgliedsgesellschaften und Spenden.


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