jt/pm
08.07.14 / 10:00
Medizin

Kindermumie: Rätsel um Todesursache gelöst

Bad Oeynhausener Herzspezialisten beenden die Spekulationen um die Todesursache der wohl ältesten Mumie auf dem europäischen Kontinent. Das Kind starb an einem sehr seltenen Herzdefekt, der heute noch vorkommt.



Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit wurde die Todesursache geklärt: Kinderkardiologie Privatdozent Dr. Nikolaus Haas (HDZ NRW), Dr. Michael Zelle (Lippisches Landesmuseum) und Prof. Dr. Wolfgang Burchert (HDZ NRW) mit der Kindermumie. Armin Kühn

Wissenschaftler und Herzspezialisten des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen lassen keinen Zweifel an ihrer Diagnose: Die berühmte - im Lippischen Landesmuseum Detmold beheimatete - Kindermumie ist vor 6.500 Jahren an einem sehr seltenen angeborenen Herzfehler gestorben, dem sogenannten Hypoplastischen Linksherzsyndrom, kurz HLHS.

Defekt gab es schon vor Tausenden von Jahren

Unter Experten weltweit sorgt diese Diagnose für eine kleine Sensation: Denn das HLHS ist ein sehr seltener, besonders schwerwiegender und komplexer Herzdefekt, der heute in nur wenigen Spezialzentren behandelt werden kann. Die Bad Oeynhausener Computertomografie-Aufnahmen weisen zudem erstmals überhaupt nach, dass diese Fehlbildung schon vor Tausenden von Jahren vorgekommen ist.

Älter als Ötzi

Im Rahmen des „Deutschen Mumien-Projekts“ („German Mummy Project“) wurde das Alter der Detmolder Kindermumie bereits vor fünf Jahren auf die Zeit 4.504 bis 4.457 vor Christus datiert, sie ist damit älter als Ötzi. Die frühen Untersuchungen ließen die Todesursache des etwa acht bis zehn Monate alten aus Südamerika stammenden Kindes offen. Man vermutete einen Vorhofseptumdefekt des Herzens. Diese Todesursache wurde von den Bad Oeynhausener Spezialisten jedoch angezweifelt.

„Der Vorhof- oder auch Atriumseptumdefekt (ASD) ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Herzens. Aber er ist nicht lebensbedrohlich“, sagt Kinderkardiologe PD Dr. Nikolaus Haas, Oberarzt im Kinderherzzentrum Bad Oeynhausen. „Die Kinder mit diesem Herzfehler müssen zwar behandelt werden, sind jedoch im Alltag gut belastbar.“ 

Ein dreidimensionales Modell des Herzens

In Zusammenarbeit mit dem Leiter des Lippischen Landesmuseums, Dr. Michael Zelle, wurden Untersuchungen mit einem hochauflösenden 128-Zeilen-Computertomografen organisiert. Aus den volumetrischen Bildern wurde dann zusammen mit dem Institut für Informatik der Universität Paderborn ein dreidimensionales Modell des Herzens erstellt. 

Die Bildgebungsspezialisten werteten anschließend die Herzvolumenbestimmungen und die Identifikation der anatomischen Strukturen des angeborenen Herzfehlers aus. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass das Kind an einem Hypoplastischen Linksherz-Syndrom verstorben ist“, bestätigt Institutsdirektor Prof. Dr. Wolfgang Burchert.


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