ck/dpa
14.11.12 / 09:48
Medizin

Medica: mobil gesund

Vom Kleinstlabor in der Arztkitteltasche bis zu komplexen Operationssälen reichen die Neuheiten auf der weltgrößten Medizinfachmesse Medica.



Ein Sensor auf der Zahnschiene überträgt Daten zum Zähneknirschen und vibriert sanft, damit der Betroffenen im Schlaf damit aufhört. Medica

Von Mittwoch bis Samstag zeigen rund 4.550 Aussteller aus über 60 Ländern in Düsseldorf Trends in der Medizintechnik. "mHealth“, also mobile Gesundheit, ist der große Trend. Apps oder Tablet-Computer werden immer wichtiger, um Ärzte und Patienten besser zu vernetzen.

Ob Schwangerschaft oder Blutzucker: Viele Erstdiagnosen sollen Frauen und Männer zu Hause mithilfe  handlicher und leicht zu bedienender Messgeräten bald selbst stellen können.

Die Kehrseite des Fortschritts

Doch was wäre, wenn Menschen künftig sogar schwere Krankheiten wie bestimmte Krebsarten per Selbsttest diagnostizieren könnten? Wollen sie wirklich zu Hause messen, ob sie eine schwere Krankheit haben? Und können Laien solche Diagnosen überhaupt stellen? Mit diesen Fragen setzt sich die Messe indes wenig auseinander - in erster Linie geht es um technische Möglichkeiten.

Den Weg zum Arzt gespart?

Hans Bouwes von der Dortmunder Firma iX-factory zeigt einen drei mal dreieinhalb Zentimeter kleinen Chip. Darauf könnten künftig Flüssigkeiten wie Blut oder Speichel auf Krankheitserreger getestet werden. "Der Patient könnte sich dann den Weg zum Arzt sparen, das wäre die ideale Idee“, sagt Bouwes. Analysen und Tests würden schneller und billiger.

Ebenso wird auf der Messe das Mikrofluidik basierende "lab-on-a-chip“-System, bei dem eine oder mehrere Laboraufgaben auf einem Chip vereint sind, präsentiert. Der Plan: Auf dem Chip können Biomarker angebracht werden, die Hinweise auf Krankheiten geben. Wird Blutplasma durch die Kanäle geleitet, könnten sich die Biomarker an kranke Zellen haften.

In wenigen Minuten könnte ein Ergebnis etwa durch ein optisches Signal zu erkennen sein. Ein Forschungsprojekt zur Leukämie-Erkennung gebe es bereits an der Hochschule Hamm-Lippstadt, sagt Bouwes. "Das ist aber eher ein langfristiger Trend“, betont Bouwes. Acht bis zwölf Jahre könnte es wohl dauern, bis solche Kleinstlabors auf Chips in der Medizin auf den Markt kämen.

Fortschreitende Miniaturisierung

Mit Chiplaboren, Mikropumpen oder Rohren, kaum dicker als ein Haar, steht die Medica-Begleitmesse Compamed im Zeichen der fortschreitenden Miniaturisierung. Per Telemedizin und Smartphone soll künftig etwa die Dialyse nierengeschädigter Patienten zu Hause ermöglicht werden - durch tägliche Fernkontrolle des Arztes. Ein mehrmonatiger Feldtest in Berlin läuft bereits. Eine andere App hilft bei der korrekten Einnahme der Antibabypille.

Ein Sensor auf der Zahnschiene

Ein Sensorsystem auf einer Zahnschiene überträgt nicht nur Daten zur Zeit und Stärke des Zähneknirschens auf einen Empfänger. Es gibt dem Betroffenen im Schlaf auch ein sanftes Vibrationssignal, damit er damit aufhört. Auf dem Markt ist die am Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der Technischen Universität München entwickelte Sensorschiene derzeit allerdings nicht.

Ein neues Transportsystem für Herz und Lungen könnte die Anzahl der Organtransplantationen erhöhen. Die US-Firma TransMedics hat eine Box entwickelt, die Spenderherzen und -lungen außerhalb des menschlichen Körpers länger funktionsfähig erhalten soll.

Bisher werden die Organe nach der Entnahme in Eis gelagert- das ist nicht länger als vier bis sechs Stunden möglich. Die Box versorgt die Organe in einem körperähnlichem Umfeld mit Spenderblut, Sauerstoff und Nährstoffen.

Man sieht, wie das Herz in der transparenten Kiste schlägt. Bis zu zwölf Stunden könne ein Herz so gelagert werden, eine Lunge sogar 24 Stunden, sagt Björn Härtel von TransMedics. Auf Testbasis ist das Transportsystem für Lungen bereits an der Medizinischen Hochschule Hannover im Einsatz.
 



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