sp/pm
13.12.12 / 10:28
Medizin

Mit 2,33 m größte Frau der Welt gestorben

Wie kommt es dazu, dass Menschen übermäßig wachsen? Bei der Chinesin Yao Defen, die Mitte November im Alter von 40 Jahren verstarb, war es die Folge einer Geschwulst der Hirnanhangdrüse.



Dieser "Hypophysen-Tumor" produzierte übermäßig viel Wachstumshormon, so dass sich bei Yao Defen wie üblich nach der Pubertät das Wachstum nicht einstellte, sondern sie immer weiter wuchs. Prof. Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), aus Bochum erklärt das Phänomen: "Tritt der Wachstumshormonüberschuss bei einem Menschen schon in der frühen Jugend auf, noch bevor die Wachstumsfugen an den großen Röhrenknochen von Armen und Beinen verknöchern, wächst dieser, wenn nicht erfolgreich behandelt wird, ständig weiter." Dies war bei der Chinesin der Fall. Denn mit 15 Jahren hatte Yao Defen bereits die Zwei-Meter-Marke erreicht.

Normalerweise stoppen Geschlechtshormone das Wachstum

Beim Gesunden steigt im Pubertätsalter der Spiegel der Geschlechtshormone an, wodurch sich die Wachstumszonen der Knochen durch Verkalkung schließen und das Längenwachstum zum Stillstand kommt. Bei einer Geschwulst der Hirnanhangdrüse können aber die Sexualhormone beeinträchtigt werden, so dass die Verknöcherung der Wachstumsfugen ausbleibt und der Patient immer weiter wachsen kann.

Akromegalie ist post-pubertär

"Tritt ein Überschuss an Wachstumshormon hingegen erst nach der Pubertät auf, so können die Knochen nicht mehr in der Länge, sondern nur mehr an den hervorragenden Erhebungen, Spitzen und Enden des Körpers wachsen, den sogenannten Akren", so Schatz. Nase, Kinn, Hände und Füße werden größer und klobig, die Stirn mit ihren Höckern wulstig. Bei der Akromegalie sind unter Umständen auch die inneren Organe betroffen: So kann das Herz stetig weiter wachsen, bis es zum Herzversagen kommt.

Diagnose für Endokrinologen leicht zu stellen

Bei Verdacht auf eine Überfunktion wird der Hormonwert bestimmt und spezielle Suppressionstests sind nötig. Vermutet der Arzt eine Unterfunktion, führt er Stimulationstests durch. Die Diagnose eines Wachstumshormonüberschusses sei damit recht einfach zu stellen, sagt Schatz. "Heute gibt es auch die Möglichkeit, das Wachstumshormon indirekt über im Körper gebildete Mittlersubstanzen zu beurteilen, die "Somatomedine“ oder "insulinähnlichen Wachstumsfaktoren“. Insgesamt gehöre die Diagnostik bei diesen Krankheitsbildern in die Hände von Spezialisten, also von Endokrinologen, betont Schatz.

Therapie der Wahl ist die operative Entfernung

Riesenwuchs, auch "Gigantismus“ genannt, komme heute bei uns kaum mehr vor, da Eltern bei von der Norm abweichenden Körpergrößen ihrer Kinder rasch einen Arzt aufsuchten. Die operative Entfernung eines Wachstumshormon-produzierenden Tumors der Hirnanhangdrüse ist nach wie vor die Therapie der Wahl, empfiehlt die DGE.

Bei Yao Defen reichte das nicht

Die chinesische Riesin wurde mehrfach operativ behandelt, zuletzt im Jahr 2006 in Shanghai. Nur wenn das operative Vorgehen nicht genügend erfolgreich war, kommen weitere Therapieverfahren infrage. Dazu zählen die Bestrahlung und die Gabe verschiedener Medikamente, die die Hormonausschüttung und das Wachstum des Tumors bremsen können. Wichtig sei dabei vor allem, dass die Patienten durch einen Endokrinologen langfristig betreut würden, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit Spezialisten wie Neurochirurgen und Strahlentherapeuten.



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