sp/pm
14.06.13 / 11:22
Medizin

Montagspatient überlebt eher

Ein Patient, der statt an einem Montag an einem Freitag operiert wird, hat ein 1,44-mal höheres postoperatives Sterberisiko. Die Mortalitätsrate nach elektiven Eingriffen am Wochenende liegt sogar fast doppelt so hoch.



Ein Montagsauto verbringt mehr Zeit in der Werkstatt als auf der Straße. Ein Montagspatient hat dagegen beste Perspektiven. TK

Beim Auto oder anderen industriell hergestellten Artikeln ist es oft der Montag, an dem sich Herstellungsmängel häufen. Eine britische Forschergruppe ging nun der Frage nach, ob ein solches Phänomen eigentlich auch bei chirurgischen Patienten auftritt. Grundlage der retrospektiven Analyse waren Daten von britischen Akut- und Fachkliniken aus den Jahren 2008 bis 2011.

Unter den 4.133.346 Patienten, die zu elektiven Eingriffen stationär aufgenommen wurden, starben 27.582 innerhalb von 30 Tagen nach der Operation. Um einen Selektionsbias durch Notfallsituationen bei schwer kranken Patienten oder eine Unterbesetzung des Teams am Wochenende zu umgehen, untersuchten die Autoren in ihrer retrospektiven Analyse bewusst nur die geplanten Eingriffe.

Sterberate steigt Richtung Wochenende

Aber auch hier fiel auf, dass die Sterberaten umso höher waren, je näher der OP-Tag Richtung Wochenende rückte. Verglichen mit Patienten, die an einem Montag operiert wurden, hatten Patienten mit elektiven Eingriffen an Freitagen nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Komorbiditäten und mehr eine 44-mal  höhere Wahrscheinlichkeit, die kommenden 30 Tage nicht zu überleben.

Fand eine Operation am Samstag oder Sonntag statt, was nur auf 4,5 Prozent aller Eingriffe zutraf, steigerte sich das Risiko sogar um 82 Prozent. Dieser Wochendendeffekt schien sich am stärksten bei Patienten mit verschiedenen Komorbiditäten oder mehreren Krankenhausaufenthalten auszuwirken.

Bei vier von fünf Operationen mit hohem Risiko wurde die mit fortschreitender Arbeitswoche wachsende Gefahr besonders deutlich: bei Ösophagus-, Magen-, Darm-, Koronararterien-Bypass- und Lungen-OPs. So stieg etwa die Zahl der Tode nach Kolon- oder Rektum-Operation von 20,1/1.000 an einem Montag operierten Patienten auf 57,3 am Wochenende.

Gefährliche Kombination: Komplikationen und reduziertes Team

Die Ergebnisse der Studie sind Wasser auf die Mühlen derjenigen, die schon seit langem mahnen, dass insbesondere die postoperative Pflege von Hochrisikopatienten verbessert werden muss. Zwar kann aus den Studienresultaten nicht auf die Gründe des Wochenendphänomens geschlossen werden, doch ist bekannt, dass schwere Komplikationen am häufigsten innerhalb der ersten 48 Stunden nach einer Operation auftreten. Trifft ein solches Ereignis dann mit einer zahlenmäßig reduzierten, möglicherweise weniger erfahrenen Wochenendbesetzung zusammen, koste dies einen Patienten unter Umständen das Leben.


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