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17.03.17 / 11:44
Medizin

NSAR: Risiko für plötzlichen Herztod

Nichtsteroidale Antirrheumatika, sogenannte (NSAR), stehen unter Verdacht, das Risiko für einen plötzlichen Herztod deutlich zu erhöhen. Die European Society of Cardiology verweist auf eine aktuelle dänische Studie.



Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen können unter Umständen einen Herzstillstand auslösen. Dänische Forscher fanden in einer großen nationalen Studie einen Risikoanstieg um 50 Prozent (Odds Ratio 1,5), innerhalb von 30 Tagen nach Diclofenac-Anwendung einen Herzstillstand zu erleiden. Ibuprofen ließ das Risiko um 31 Prozent steigen (Odds Ratio 1,31). Das berichtet ein Team um Kathrine B. Sondergaard vom Gentofte Universitätskrankenhaus in Kopenhagen im "European Heart Journal – Cardiovascular Pharmacotherapy".

Der Hintergrund

Selektive Hemmer der Cyclooxygenase 2 (COX-2-Hemmer) und in geringerem Umfang auch NSAR wurden in der Vergangenheit immer wieder mit kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Kardialer Insuffizienz in Verbindung gebracht - auch ein Zusammenhang mit dem plötzlichen Herztod wurde bereits vermutet.

Um eine mögliche Assoziation statistisch belegen zu können, werden jedoch große Fallzahlen benötigt. Dänemark mit seinen umfassenden Patientenregistern eignet sich dafür sehr gut. So konnten die Autoren der aktuellen Studie für ihre Analyse sowohl die Daten von knapp 29.000 Herzstillstand-Patienten in Dänemark zwischen 2001 bis 2010 heranziehen als auch den Gebrauch von rezeptpflichtigen NSAR dieser Personen ermitteln.

Die Studie

Als Design wählten die Studienautoren die Fall-Zeit-Kontrolle. Dabei dient jeder Fall als seine eigene Kontrolle, indem verschiedene Zeiträume und nicht verschiedene Menschen miteinander verglichen werden. Hier waren es die 30 Tage unmittelbar vor dem Herzstillstand und der Zeitraum zwischen Tag 60 und Tag 30 vor dem Ereignis, in denen jeweils der NSAR-Gebrauch erfasst wurde.

Das Ergebnis

Ibuprofen und Diclofenac waren mit 51 und 22 Prozent die mit Abstand am meisten eingesetzten NSAR. Daneben kamen Naproxen, Celecoxib und - vor der Marktrücknahme im Jahr 2004 - auch Rofecoxib zum Einsatz. Auch diese drei Wirkstoffe waren mit einem erhöhten Risiko assoziiert, das allerdings das statistische Signifikanz-Niveau verfehlte. Die Autoren betonen, dass die Fallzahlen für eine valide Aussage über diese drei Wirkstoffe zu gering waren.

Ibuprofen ist in Dänemark  neben ASS das einzige rezeptfrei erhältliche NSAR. Es ist dort lediglich als Tabletten à 200 mg und in Packungsgrößen bis 30 Stück verfügbar. Der Gebrauch von OTC-Ibuprofen wurde in der Studie nicht erfasst, dürfte sich aber aus Sicht der Autoren gleich auf die Fall- und Kontroll-Zeiträume verteilt haben.

"Diese Ergebnisse zeigen erneut, dass NSAR nicht harmlos sind", kommentiert Koautor Professor Dr. Gunnar H. Gislason in einer Mitteilung der europäischen Kardiologengesellschaft. Er betont, dass NSAR mit Vorsicht und nur bei strenger Indikation angewendet werden sollten. Bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder vielen Risikofaktoren seien sie zu meiden. Das gelte besonders für Diclofenac. Naproxen sei vermutlich das sicherste NSAR und könne in Dosen bis 500 mg am Tag eingesetzt werden.

Die vollständige Studie finden Sie hier.


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