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23.05.13 / 09:56
Medizin

Neandertaler: Zähne verraten Stillzeit

Die Wachstumslinien eines Backenzahns, die man an der farbig markierten Verteilung von Barium erkennt, geben Auskunft darüber, wie lang ein Baby gestillt wurde - auch bei fossilen Neandertalerzähnen.



Die Wachstumslinien des Backenzahns erkennt man an der farbig markierten Verteilung von Barium. Sie geben Auskunft über die Länge der Stillzeit - auch bei fossilen Zähnen. picture_alliance

Forscher haben anhand eines Backenzahns herausgefunden, dass Neandertalermütter ihren Babys ungefähr ein Jahr lang die Brust geben. Damit stillten sie ihre Kinder kürzer als heutige Naturvölker. Erst in der zweiten Hälfte dieser Zeit fingen sie an, feste Nahrung zuzufüttern, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" online mit Verweis auf die Studie.

Bislang fehlte ein Marker

Bisher habe man die Ernährung zu Beginn des Lebens an Fossilien nur schlecht rekonstruieren können, weil ein geeigneter Marker gefehlt habe, schreibt das Team. Mit der Bariumverteilung im Zahnschmelz scheint es nun genau so einen Marker gefunden zu haben.

Barium wird mit der Nahrung und dem Wasser in geringen Mengen aufgenommen. Im Mutterleib sind die Zähne, die bereits im Kiefer angelegt sind, noch nahezu frei davon, weil dieses chemische Element die Plazenta schlecht passiert. Nach der Geburt gelangt es mit der Muttermilch in den Körper des Kindes und lagert sich unter anderem im Zahnschmelz ab. Die Wachstumsringe der Zähne ermöglichen eine
zeitliche Zuordnung.

Der Molar stammt von einem Neandertalerjungen, der mit acht Jahren starb und 1993 in einer Höhle bei Andenne in Belgien gefunden wurde. Die Wissenschaftler untersuchten den Bariumgehalt des Zahns: Anhand der Wachstumslinien erkannten sie, das dieser nach der Geburt steigt, die sich durch eine Kristallisationsstörung im wachsenden Zahn zeigt. Danach geht er wieder nach unten.

Mehr Metall durch die Muttermilch

Den  Forscher zufolge gelangte im Mutterleib kaum Barium durch die Plazenta in den Blutkreislauf des Embryos. Nach der Geburt bekam das Baby viel mehr von dem Metall durch die Muttermilch; es lagerte sich im wachsenden Zahnschmelz ab.

Als die Mutter des Jungen nach sieben Monaten anfing, andere Nahrung zuzufüttern, fiel die Bariumzufuhr ab und sank nach dem Abstillen sieben Monate später abermals. Um das Muster zu erkennen, untersuchte das Team Milchzähne von Kindern und Makakenäffchen, deren Ernährung bekannt war. Das Verhalten der Neandertalmutter ähnelt dem der Affen, weil auf eine Zeit des exklusiven Stillens eine Phase des Zufütterns folgte.

Viele Eltern heute geben ihren Babys indes nach dem Stillen Babymilch, die mehr Barium enthält als Muttermilch. Manche Naturvölker hingegen stillen ihre Kinder länger als ein Jahr, auch weil dadurch die Geburtenrate begrenzt wird.


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