sp/pm
15.10.12 / 14:57
Medizin

Neue Leitlinie zur Herzinfarkt-Behandlung

Die Europäische Kardiologengesellschaft (ESC) hat eine neue Leitlinie zur Behandlung von Patienten mit einem Herzinfarkt entwickelt.



Die  neue Leitlinie bringt zwar keine grundlegend neuen Empfehlungen, aber doch wichtige neue Einzelaspekte zur Diagnose und Therapie des Herzinfarktpatienten. Aufgrund typischer Veränderungen im EKG unterscheidet man bei Herzinfarkten zwischen STEMI und Non-Stemi, wobei der Stemi das schwerere Ereignis ist und in der Regel durch einen kompletten Verschluss eines Herzkranzgefäßes verursacht wird.

Pro Jahr werden in Europa jährlich 60 bis 70 von 100.000 Menschen wegen eines Stemi in ein Krankenhaus aufgenommen. Die Krankenhaussterblichkeit von Stemi-Patienten liegt zwischen vier und sechs Prozent, wenn sie in einem gut funktionierenden Netzwerk in einem Zentrum mit Katheter-Labor behandelt werden, und 14 bis 16 Prozent in einem Zentrum ohne Katheter-Labor.

Frühzeitige Diagnose und Behandlung bleibt Kernforderung

"Oberstes Ziel ist, bei Patienten mit Stemi, das verschlossene Gefäß möglichst frühzeitig wieder zu öffnen, entweder mechanisch mittels Katheter oder medikamentös mittels Fibrinolyse. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die ESC-Arbeitsgruppe nochmals die zeitlichen Ziele bestätigt“, so Prof. Dr. Christian Hamm, Direktor der Abteilung für Kardiologie an der Kerckhoff Klinik in Bad Nauheim und der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Gießen.

Hamm: "Die Methode der Wahl in der Akutbehandlung des Stemi ist die primäre PCI, bei der mittels Herzkatheter die Durchblutung des Herzmuskels wiederhergestellt wird. Je früher diese Behandlung zum Einsatz kommt, desto größer sind die Chancen, dass das Herz den Infarkt mit nur geringem Schaden übersteht. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung von Stemi ist deshalb eine Kernforderung.“

Lokale Netzwerke erforderlich

In den neuen Leitlinien wird  die Organisation von lokalen Stemi-Netzwerken gefordert. Sie bestehen aus einem Ambulanzservice und Krankenhäusern mit PCI-Bereitschaft. Sie sollen laut Hamm eine PCI in den zeitlichen Vorgaben ermöglichen: "„Neu ist eine Empfehlung zum Einsatz des Herzultraschalls in der primären Diagnostik. Diese soll immer dann erfolgen, wenn man die entsprechende Ausrüstung zur Verfügung hat.“ Vom ersten medizinischen Kontakt eines Patienten bis zur EKG-Diagnose sollten gemäß den neuen Richtlinien maximal zehn Minuten vergehen.



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