ck/pm
25.02.14 / 11:03
Medizin

Neue Therapie für Schlafapnoiker

Forscher haben ein vollständig implantiertes Schrittmachersystem entwickelt, das durch eine milde Stimulation der Muskeln der oberen Luftwege dafür sorgt, dass Schnarcher gleichmäßig atmen.



Die neue Technologie: ein Stimulator der oberen Luftwege, mit einem implantierbaren Pulsgenerator, Atmungssensor sowie einer Stimulationselektrode. Universitätsmedizin Mannheim

Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe ringen über Nacht ständig nach Atem. Ursache ist die Erschlaffung der Muskulatur, was dazu führt, dass die Zunge in den Rachen fällt und dabei die Atemwege verengt oder sogar verschließt.

Nachts gestresst, tagsüber schlapp

Was unangenehm für den Bettnachbarn ist, belastet den Körper des Schnarchers schwer: Durch die Atemaussetzer fällt die Sauerstoffkonzentration im Blut ab, Stresshormone werden freigesetzt, dann wird eine Weckreaktion ausgelöst, die den Atemweg wieder eröffnet und das Ersticken verhindert. An tiefen, erholsamen Schlaf ist nicht zu denken - der Patient ist tagsüber müde, abgeschlagen und kann sich nicht konzentrieren. Auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und hohen Blutdruck ist erhöht.

Die Standardtherapie der obstruktiven Schlafapnoe ist ein Beatmungssystem (Continuous Positive Airway Pressure, CPAP), das über einen Schlauch und eine Gesichtsmaske einen Überdruck erzeugt, wodurch die Atemwege auch im Schlaf offengehalten werden. Diese sogenannte CPAP-Beatmung ist zwar wirksam, wird jedoch von vielen Betroffenen nicht angenommen: Fast Die Hälfte der Patienten ist daher nicht ausreichend oder überhaupt nicht behandelt.

Schrittmacher verhindert Atempausen

Für die kann nun die Upper Airway Stimulation (UAS) Therapie eine Lösung sein. Dabei stimuliert ein implantierter Schrittmacher den Unterzungennerv und verhindert damit direkt die für die Atempausen verantwortliche Erschlaffung der Muskulatur.

Eine internationale Studie mit beteiligten 15 Kliniken in den USA und 7 in Europa hat die Therapie getestet. Mit an Bord war auch die HNO-Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, die die Operationstechnik erstmals in Deutschland eingesetzt und für die Studie wesentlich optimiert hat.

Therapie verhilft zu höherer Lebensqualität

Die Inspire Therapie verbessert der Studie zufolge nicht nur die obstruktive Schlafapnoe signifikant, und zwar hinsichtlich der Atemaussetzer (um 68 Prozent) und der Sauerstoffabfälle im Blut (um 70 Prozent), sondern auch die damit verbundene Lebensqualität und Tagesschläfrigkeit. Vor dem Einschlafen wird die Stimulation aktiviert, nach dem Aufwachen am Morgen ausgeschaltet. Durch die Operation entstehen keine irreversiblen Veränderungen der oberen Atemwege, Schlucken und Sprechen sind unbeeinträchtigt.

Wie die Universitätsmedizin Mannheim berichtet, ist die Therapie mit dem Schrittmachersystem bereits zertifiziert und in Europa zur Verwendung zugelassen. Ende 2013 wurde die Therapie an der Uniklinik Mannheim als erstem Krankenhaus in Deutschland erstmals von den Krankenkassen erstattet.

Upper-Airway Stimulation for Obstructive Sleep Apnea: Patrick J. Strollo, Jr., M.D., Ryan J. Soose, M.D., Joachim T. Maurer, M.D., et al., New England Journal of Medicine 2014; 370:139-149, January 9, 2014
DOI: 10.1056/NEJMoa1308659


Mehr zum Thema


Werblicher Inhalt