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07.06.13 / 09:50
Medizin

OP oder Medikamente?

OP oder Medikamente? Diese Frage ist für Patienten mit Herzinfarktrisiko entscheidend. Mithilfe der MRT können Ärzte sie beantworten, wie eine Studie der Universitätskliniken Heidelberg und Berlin zeigt.



Bei verengten Herzkrankgefäßen ist nicht immer eine OP nötig. TK

Die Erkrankung verzögern oder aufhalten

Bei der Koronaren Herzerkrankung sind die Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen, verengt. Ist ein Herzkranzgefäß schließlich vollständig verstopft, kommt es zum Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod. Die Koronare Herzerkrankung kann derzeit nicht geheilt werden, denn die Ablagerungen in den Herzgefäßen lassen sich nicht entfernen.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, ihr Fortschreiten zu verzögern oder aufzuhalten: Früh erkannt, können Medikamente, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung weitere Ablagerungen eindämmen. In fortgeschrittenem Stadium müssen die Kranzgefäße allerdings mittels Gefäßstütze (Stent) im Rahmen eines Kathetereingriffs geöffnet beziehungsweise chirurgisch durch einen Bypass umgangen werden.

Das Herzinfarktrisiko bestimmen

"Für die weitere Therapie ist es wichtig, die Prognose beziehungsweise das Herzinfarktrisiko des Patienten zu kennen", sagt Studienleiter Prof. Dr. Grigorios Korosoglou. Mithilfe einer Herzkatheteruntersuchung können Kardiologen zwar sehr genau bestimmen, wie stark die Herzkranzgefäße verengt sind. Sie sehen daran aber nicht, wie gut die einzelnen Areale des Herzmuskels noch durchblutet werden, und davon hängt das individuelle Herzinfarktrisiko ab.

Bei allen 3.138 Patienten waren die Herzkranzgefäße verengt. Die Teilnehmer erhielten während der MRT-Untersuchung das Arzneimittel Dubutamin, das den Herzschlag wie bei körperlicher Belastung erhöht. Dabei braucht das Herz mehr Sauerstoff; Engpässe in der Blutzufuhr machen sich dann besonders deutlich bemerkbar, etwa durch eine gestörte Bewegung des Herzmuskels. Alle Patienten wurden mit der medikamentösen Standardtherapie, 17 Prozent von ihnen in den ersten drei Monaten nach der MRT-Untersuchung mit Stent oder Bypass (Revaskularisierung) versorgt.

Durchblutungsstörungen: Stent oder Bypass verbessern die Prognose

Bei guter Blutzufuhr erlitten nach drei Jahren rund zwei Prozent, nach sechs Jahren etwa acht Prozent der Patienten einen Herzinfarkt oder Herztod. Dagegen lag das Risiko für Patienten mit diagnostizierter Durchblutungsstörung, die weiterhin nur medikamentös behandelt wurden, nach drei Jahren bei rund 18 Prozent, nach sechs Jahren bei 36 Prozent. "Durchblutungsstörungen, die sich unter Dobutamin-Belastung im MRT zeigen, eignen sich daher sehr gut, um das Risiko für Infarkt oder Herztod einzuschätzen" so Korosoglou.

Erhielten Patienten mit Durchblutungsstörungen innerhalb von drei Monaten einen Stent oder Bypass, verbesserte sich ihre Prognose deutlich: Ihr Herzinfarktrisiko sank auf sieben Prozent nach drei Jahren und zehn Prozent nach sechs Jahren.

Nur bei Verengungen ist kein Eingriff nötig

Patienten ohne Durchblutungsstörung des Herzmuskels profitierten dagegen nicht von einem solchen Eingriff, ihr Herzinfarktrisiko blieb gleich. "Wir empfehlen daher, Patienten, bei denen trotz Verengungen der Herzkranzgefäße keine Durchblutungsstörungen im Stress-MRT auftreten, bis auf Weiteres konservativ-medikamentös zu behandeln, ein chirurgischer oder interventioneller Eingriff ist nicht nötig", sagt Korosoglou. "Allerdings sollte die Untersuchung nach drei Jahren wiederholt werden".

"Die Ergebnisse tragen dazu bei, unnötige Eingriffe am Herzen zu vermeiden und gleichzeitig bei Risikopatienten schneller und präziser zu reagieren", erklärt Korosoglou, Oberarzt der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie  am Universitätsklinikum Heidelberg.

Das gemeinsame Projekt der beiden renommierten Herzzentren Heidelberg und Berlin ist die bisher größte Studie, in der mithilfe der MRT die prognostische Aussagekraft von Durchblutungsstörungen am Herzen untersucht wurde. Die Ergebnisse decken sich mit denen multizentrischer Studien zu dieser Fragestellung, in denen zum Teil andere Diagnoseverfahren zum Einsatz kamen.

Kelle S, Nagel E, Voss A, Hofmann N, Gitsioudis G, Buss SJ, Chiribiri A, Wellnhofer E, Klein C, Schneeweis C, Egnell C, Vierecke J, Berger A, Giannitsis E, Fleck E, Katus HA, Korosoglou G. A bi-center cardiovascular magnetic resonance prognosis study focusing on dobutamine wall motion and late gadolinium enhancement in 3,138 consecutive patients. J Am Coll Cardiol. 2013 Jun 4;61(22):2310-2312. doi: 10.1016/j.jacc.2013.02.063.


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