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24.05.17 / 13:58
Medizin

Roboter verbessern Kopf-Hals-Chirurgie

Speziell für die Kopf-Hals-Chirurgie wurde jetzt ein flexibles Endoskopie-System entwickelt, mit dem Tumoren in schwer zugänglichen Regionen wie Zungengrund oder unterer Rachen gut eingesehen und entfernt werden können - dank Robotern.



Innovative Tumorresektion in schwer zugänglichen Kopf-Hals-Regionen: Die flexible Operations-Endoskopieeinheit mit ihren seitlich angefügten Arbeitskanälen passt sich der menschlichen Anatomie an. Medrobotics

In der Roboter-assistierten Kopf-Hals-Chirurgie wird am häufigsten der da Vinci-Roboter verwendet. Mehr als 1.000 Kopf-Hals-Tumor-Patienten weltweit wurden demnach schon mit dem System operiert. Allerdings besitzen seine Operationsarme nur wenige - zudem recht voluminöse - Gelenke, da dieses Gerät ursprünglich für den Einsatz in der Bauchchirurgie entwickelt wurde.

„Die Zugänglichkeit zum Gewebe, insbesondere in tieferen Abschnitten der Schluckstraße, war dadurch erschwert“, erläuterte Prof. Stephan Lang, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Essen, vor Beginn der 88. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie in Erfurt.

Greifer und Schere sind in einem biegsamen Endoskop integriert

Speziell für die Kopf-Hals-Chirurgie wurde jetzt ein flexibles Endoskopie-System entwickelt: Greifer, Schere und andere chirurgische Instrumente sind in einem biegsamen Endoskop integriert, mit dem der Chirurg Engstellen umkurven und alle Bereiche der oberen Schluckstraße mit einer HD-Kamera einsehen kann.

Lang zeigte mit Kollegen im Rahmen einer Studie mit 80 Patienten, dass der Zugang und die Visualisierung der palatinischen Tonsillen, der hinteren Pharynxwand, der Epiglottis und der posterioren Pharynxwand unter Studienbedingungen hervorragend waren. Jedoch waren falsche Stimmbänder und Stimmbänder schwerer zu identifizieren.

„Insbesondere Tumoren in schwer zugänglichen Regionen wie beispielsweise Zungengrund oder unterer Rachen konnten gut eingesehen und entfernt werden“, fasst Lang zusammen. Ein weiterer positiver Aspekt: das „taktile Feedback“, das dem Operateur über die Instrumente vermittelt wird. Die transorale Roboter-assistierte Chirurgie steht Lang zufolge zwar noch am Anfang, stelle aber schon jetzt eine wichtige Ergänzung der chirurgischen Verfahren dar.

Die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren zielt darauf ab, mithilfe möglichst schonender Therapieverfahren die Nebenwirkungen für den Patienten zu senken. In diesem Zusammenhang hat sich die transorale Lasermikrochirurgie als ein Standardverfahren etabliert. Nachteilig ist jedoch die eingeschränkte Übersicht beim Blick auf das OP-Feld. Die "transorale Roboter-assistierte Chirurgie" (Transoral Robotic Surgery, TORS) ist ein alternatives Konzept, um die spezifischen Probleme der Lasermikrochirurgie zu überwinden. Dank der Roboter werden die komplexen Funktionen von Rachen und Kehlkopf erhalten. In Deutschland sind Kopf-Hals-Tumore die fünfthäufigste Tumorart.

Lang S, Mattheis S, Hasskamp P, Lawson G, Güldner C, Mandapathil M, Schuler P, Hoffmann T, Scheithauer M, Remacle M.: A european multicenter study evaluating the flex robotic system in transoral robotic surgery. Laryngoscope. 2017 Feb;127(2):391-395. doi: 10.1002/lary.26358


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