ck/pm
05.08.14 / 10:40
Medizin

Rückkehr des HI-Virus in Boston-Patienten geklärt

Ein internationales Team hat das Rätsel um die mit HIV-1 infizierten "Boston-Patienten" geklärt, die nach einer Stammzellentransplantation für mehrere Monate als geheilt galten.




Rückblick: Im Sommer 2013 sorgte die Krankengeschichte von zwei US-Amerikanern, besser bekannt als die "Boston-Patienten", für Aufsehen. In Folge einer hämatopoetischen Stammzellentransplantation gegen die Krebserkrankung der beiden HIV-infizierten Männer, konnte über viele Wochen das Virus nicht mehr in ihrem Blut nachgewiesen werden – trotz Absetzen der antiretroviralen Therapie.

Nach der wiederkehrenden Nachweisbarkeit der Viren im Blut, setzten Virologen alles daran, herauszufinden, wo und wie sich die HI-Viren über einen Zeitraum von drei bis acht Monaten verstecken konnten. Nun ist es einem internationalen Team aus den USA, Großbritannien und Deutschland gelungen, das Rätsel zu lösen.

Der Mix aus einer allogenen hämatopoetischen Stammzellentransplantation und einer antiretroviralen Kombinationstherapie führte offenbar zu einer massiven Reduktion des Virus-Reservoirs, weswegen das HI-Virus weder im Blut noch im Darmgewebe nachgewiesen werden konnte. Dennoch reichte dies nicht aus, das Virus vollständig zu eliminieren.

Das Virus hatte sich nur versteckt

Obwohl auch nach Absetzen der antiretroviralen Therapie für mehrere Wochen kein Virus mehr im Blut der Patienten nachweisbar war, was zunächst Hoffnung auf Heilung gab, kam es dann leider doch zu einer erneuten Virusreplikation im Blut von beiden Patienten. Das Virus hatte sich also nur versteckt und konnte durch die Therapie nicht vollständig aus dem Körper eliminiert werden.

Die wiederauftretende Viruspopulation war allerdings sehr homogen. Das heißt den Forschern zufolge, dass ein einziges intaktes Virus, das irgendwo im lymphatischen Gewebe der Patienten persistieren konnte, ausreicht, um zu einer erneuten Ausbreitung des Virus im Körper zu führen.

Prof. Dr. Marcus Altfeld, Mitautor, Heinrich-Pette-Institut (HPI) Hamburg: „Unsere aktuellen Ergebnisse sowie die ebenfalls enttäuschenden Neuigkeiten, dass das HI-Virus auch in einem sehr früh therapierten und für funktionell geheilt erklärten Kind nach mehreren Monaten zurückgekehrt ist, zeigt, dass es sehr schwer sein wird, einmal infizierte Patienten von dieser Infektion zu heilen. Diese Fälle sind sehr lehrreiche Beispiele dafür, dass neue Ansätze, einschließlich gentherapeutischer und immuntherapeutischer Ansätze, benötigt werden, um eine langfristige funktionelle Heilung von HIV-infizierten Menschen zu erreichen.“

Prof. Dr. Joachim Hauber, ebenfalls vom HPI, ergänzt: „Diese Ergebnisse zeigen nachdrücklich, dass neuartige Therapiestrategien benötigt werden, die einerseits die Immunabwehr des Organismus stärken, andererseits aber auch das HI-Virus in seinen zellulären Verstecken direkt attackieren und entfernen können.“

In der Folge der neuesten Ergebnisse sei es für den Kampf gegen das HI-Virus und die Entwicklung neuer Therapieverfahren unerlässlich, zu erforschen, in welchen Geweben und langlebigen Zellen das Virus sich langfristig verstecken kann, wie man diese Fluchtorte des Virus erreichen und zerstören kann und welche zusätzlichen Maßnahmen notwendig sein werden, um eine dauerhafte Kontrolle der Virusreplikation zu erreichen.

Timothy J. Henrich1,2; Emily Hanhauser1; Francisco M. Marty1,2,3; Michael N. Sirignano4,5; Sheila Keating6; Tzong-Hae Lee6; Yvonne P. Robles1; Benjamin T. Davis2,7; Jonathan Z. Li1,2; Andrea Heisey1; Alison L. Hill8; Michael P. Busch6,9; Philippe Armand2,3; Robert J. Soiffer2,3; Marcus Altfeld2,4,5; Daniel R. Kuritzkes1,2.Antiretroviral-Free HIV-1 Remission and Viral Rebound After Allogeneic Stem Cell Transplantation: Report of 2 Cases. Ann Intern Med. 2014 Jul 22. doi: 10.7326/M14-1027


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