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24.05.13 / 09:37
Medizin

Schwangere: Vitamin D-Versorgung oft zu niedrig

Die Vitamin D-Versorgung in der Schwangerschaft ist oft unzureichend. Nicht nur im Winter ist eine Substitution erforderlich, wie eine Untersuchung an Schwangeren und Neugeborenen zeigte.



TK

Insgesamt 98 Prozent der untersuchten Schwangeren hatten in den Wintermonaten einen Vitamin D-Status, der unterhalb der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Versorgung lag. Doch auch im Sommer, wenn Vitamin D durch die Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet werden kann, waren die Werte häufig zu niedrig. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit 261 Schwangeren und 328 Neugeborenen von Prof. Dr. Clemens Kunz und Dr. Peter Gilbe in Gießen, die nun im „British Journal of Nutrition“ veröffentlicht wurde.

Die DGE und andere Fachgesellschaften, wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, empfehlen für eine ausreichende Vitamin D-Versorgung einen täglichen Aufenthalt im Freien von fünf bis 30 Minuten, um die körpereigene Produktion in der Haut anzuregen.

Substitution dringend nötig

Die DGE hatte deshalb die Vitamin D-Zufuhrempfehlungen auch für schwangere Frauen von 5 µg (200 Internationale Einheiten, IE) auf 20 µg (800 IE) pro Tag erhöht, wenn keine körpereigene Vitamin D-Synthese in der Haut erfolgt.

Für Deutschland gab es bisher keine zuverlässigen Daten, um die Versorgung mit Vitamin D in der Schwangerschaft zu beurteilen, da dafür der Vitamin D-Status im Blut untersucht werden muss. Diese Untersuchung ist jedoch relativ teuer und wird nicht routinemäßig durchgeführt.

Schwangerschaftskomplikationen durch Vitamin D-Mangel

Viele Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen einer schlechten Vitamin D-Versorgung in der Schwangerschaft und dem Auftreten von Schwangerschaftskomplikationen hin. Hierzu gehören bei der schwangeren Frau Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Infektionen und Frühgeburten; Risiken für das Neugeborene betreffen einen ungenügenden Knochenaufbau, Lungenerkrankungen und ebenfalls Diabetes mellitus.

Plädoyer für eine routinemäßige Statusbestimmung

Aufgrund der besorgniserregenden Daten der Gießener Studie plädiert Kunz für eine routinemäßige Bestimmung des Vitamin D-Status im Rahmen der Schwangeren-Vorsorgeuntersuchungen. Diese sollte durch die Messung von 25-Hydroxy-Vitamin D im Blut erfolgen - das ist die Speicherform von Vitamin D, die sich für die Bestimmung des Vitamin D-Status am besten eignet.

Bei einer so diagnostizierten unzureichenden Vitamin D-Versorgung müssen Schwangere nach Ansicht von Kunz Vitamin D-haltige Präparate einnehmen. Aufgrund der Studienergebnisse empfiehlt er Schwangeren generell in den Wintermonaten die Einnahme solcher Präparate.

Weniger als 50 Nanomol pro Liter gilt schon als Mangel

Die Internationale Osteoporose Gesellschaft sowie die Nordamerikanische Fachgesellschaft für Endokrinologie beurteilen 25-Hydroxy-Vitamin D-Werte von weniger als 50 Nanomol pro Liter (nmol/L) beziehungsweise weniger als 20 Nanogramm pro Mililiter (ng/mL) als einen Vitamin D-Mangel. Die Gießener Studie zeigt, dass selbst im Sommer noch etwa 50 Prozent der Frauen eine Vitamin D-Versorgung aufwiesen, die nach diesen Kriterien als mangelhaft einzustufen ist.

Wichtigster Einflussfaktor ist die Jahreszeitt

Der wichtigste Einflussfaktor auf den Vitamin D-Status war erwartungsgemäß die Jahreszeit, denn die Versorgung mit Vitamin D über die Nahrung ist dann besonders niedrig. Der weitaus größere Teil wird durch die UV-B Strahlen der Sonne in der Haut produziert, also vom Körper selbst.

Von Oktober bis März ist die Intensität der Sonneneinstrahlung in Deutschland aber zu gering, um ausreichend Vitamin D bilden zu können. Daher ist die zusätzliche Aufnahme von Vitamin D erforderlich.

In Gießen soll nun im Rahmen einer Beobachtungsstudie bei schwangeren Frauen überprüft werden, ob nach einem ärztlich diagnostiziertem Vitamin D-Mangel die tägliche Aufnahme von 1.000 IE Vitamin D während der gesamten Schwangerschaft ausreichen, um die gewünschte Versorgung zu gewährleisten.

Wuertz C, Gilbert P, Baier W, Kunz C (2013): Cross-sectional study of factors that influence the 25-hydroxyvitamin D status in pregnant women and in cord blood in Germany. British Journal of Nutrition



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