ck/dpa
26.11.12 / 09:42
Medizin

Skalpell bitte

Fernsehkameras im Operationssaal. Und Reporter, die direkt von der OP berichten. Das SWR Fernsehen bringt erstmals eine Operation am offenen Herzen in einer deutschen Klinik auf den Bildschirm.



picture_alliance

Vier Kameras schauen in "Skalpell bitte" den Chirurgen der Uniklinik Tübingen während einer Bypass-Operation über die Schulter. Nach Angaben des Südwestrundfunks (SWR) ist es die erste Operation am offenen Herzen, die aus einer deutschen Klinik übertragen wird.

Gegen die Angst

Die Sendung läuft diesen Mittwoch (28.11.) um 20.15 Uhr im SWR Fernsehen. Sie gibt einen direkten Einblick in die Arbeit der Mediziner. Und sie will Patienten und Angehörigen die Angst vor einer Operation nehmen. 

Spannender als ein Krimi

Susanne Holst, Ärztin und Moderatorin des "ARD-Ratgebers Gesundheit", ist von der viereinhalb Stunden dauernden Operation noch immer fasziniert. "Den Herzspezialisten in Tübingen live über die Schulter blicken zu können, bei einem derartigen lebenswichtigen Eingriff, das gab es noch nie und war spannender als ein Krimi, bewegender als ein Drama", sagt sie. 

Extrem real, überraschend unblutig

Jedes Jahr gibt es in Deutschland fast 60.000 Bypass-Operationen. Dass daraus eine Fernsehsendung gemacht wird, ist ungewöhnlich. Die TV-Doku zeigt den Eingriff extrem real und überraschend unblutig. Die Zuschauer sind dabei, wie einem 60 Jahre alten Mann aus Rottenburg (Kreis Tübingen) im Operationssaal drei Bypässe gelegt werden. 

Auf 90 Minuten verkürzt

Vier Kameras dokumentieren das Geschehen und übertragen es in ein im Tübinger Klinikum eingerichtetes Sendestudio. Dort wird der medizinische Eingriff, der im Fernsehen auf 90 Minuten verkürzt wird, von Experten erklärt und kommentiert. Ein Reporter meldet sich direkt aus dem Operationssaal.

Zudem geben Mediziner Informationen rund um das Thema Herzgesundheit und erklären, wie man vorbeugen kann.  Der Patient wird vor und nach der Operation befragt. Denn live gesendet wird nicht. Aufgezeichnet wurde die OP bereits im August. Eine anschließende 15-Minuten-Reportage (22.00 bis 22.15 Uhr) zeigt, wie sich das Leben des Patienten mit der Operation verändert hat. Nicht Sensationsgier steht im Vordergrund, sondern Aufklärung. 

Fernseh-OPs waren lange umstritten

Gänzlich neu ist das Konzept nicht. Im Frühjahr 2009 sorgte der britische Privatsender Channel 4 international für Gesprächsstoff, als er vier Operationen live ins Fernsehen übertrug. Auch das deutsche Fernsehen sendete schon vorher reale Szenen aus dem Operationssaal. In den 1990er Jahren zeigte das ZDF im damaligen "Gesundheitsmagazin Praxis" mehrere Operationen, darunter auch eine Bypass-OP. Die Bilder kamen allerdings aus einer Klinik in Buenos Aires. Deutsche Krankenhäuser hatten sich damals gewehrt.

Im Radio sendet unter anderem der Deutschlandfunk Eindrücke aus der Chirurgie. Für die wöchentliche Ratgebersendung "Sprechstunde" (jeden Dienstag, 10.10 Uhr bis 11.30 Uhr) stehen Reporter regelmäßig Schulter an Schulter mit Operateuren. Der Unterschied: Gesendet werden naturgemäß nur Töne, keine Bilder. 

Bewusstsein schaffen und aufklären

"Erworbene Herzerkrankungen sind Haupttodesursache in Deutschland. Solche Sendungen sind dazu geeignet, das Bewusstsein für diese Krankheiten zu fördern und die Betroffenen aufzuklären", sagt Christian Schlensak, Herzspezialist an der Uniklinik Tübingen.

Für Mediziner seien Bypass-Operationen Routine. Und dennoch immer wieder spannend. "Das Funktionieren des Köpers auf so unmittelbare Weise zu sehen, ist immer wieder faszinierend." Das, so hofft der Mediziner, "wird auch Fernsehzuschauer in ihren Bann ziehen". 



Mehr zum Thema


Werblicher Inhalt