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19.10.16 / 14:00
Medizin

Tularämie beginnt im Mund

Die seltene Erkrankung "humane Tularämie" trat bis 2005 mit rund fünf gemeldeten Fällen pro Jahr auf. Nun berichtet das Robert Koch-Institut von 34 Meldungen, mit hoher Dunkelzifferrate. Mehr zu diesem unbekannten Krankheitsbild.



Der Erreger der Tularämie ist das hochansteckende Bakterium Francisella tularensis. Das Bild zeigt eine Kolonie nach 72 Stunden. CDC/Larry Stauffer, Oregon State Public Health Laboratory (PHIL #1910), 2002 - wikipedia

Es kann im Rachen oder auf der Mundschleimhaut beginnen, mit Efloreszenzen oder mit Grippe ähnlichen Symptomen, daher sollten auch Zahnärzte wissen, dass die humane Tularämie - auch "Hasenpest" genannt - auch auf den Menschen übertragen werden kann.

Die häufig tödlich verlaufende, hoch ansteckende Erkrankung kommt vorwiegend bei frei lebenden Nagetieren und Hasen vor und wird durch das Bakterium Francisella tularensis ausgelöst. Die Erkrankung kann als sogenannte Zoonose auf den Menschen übertragen werden und zählt in Deutschland zu den meldepflichtigen Tierkrankheiten. 

Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass die tatsächlichen Fallzahlen weitaus höher liegen, als derzeit durch Meldungen bekannt. In Europa wurden in den vergangenen Jahren zwischen 500 und 1.000 Fälle jährlich gemeldet. Betroffen sind häufig Personen, die sich viel in der freien Natur aufhalten, wie Jäger und Waldarbeiter.

Infektionsweg durch Hasen, Kaninchen und Nager

Der Erreger infiziert vorwiegend  Kleinsäuger wie Hasen, Kaninchen und Mäuse, aber auch andere Wild- und auch Haustiere. Darüber hinaus wurde er bei blutsaugenden Arthropoden wie Bremsen, Mücken und Zecken, aber auch in Vögeln und Amphibien nachgewiesen.

F. tularensis findet sich zudem auch in der Umwelt -  im Wasser sowie der Erde. Auf die Anwesenheit des Erregers wird häufig nur durch einen DNA-Nachweis geschlossen, da seine Anzucht sehr schwierig ist. Das natürliche Reservoir ist bisher nicht eindeutig detektiert.

Die Infektion kann erfolgen durch:

  • Kontakt der Haut oder Schleimhäute mit infektiösem Tiermaterial (wie bei der Verarbeitung infizierter Tiere) oder mit kontaminiertem Wasser; in der Folge auch durch Schmierinfektionen, zum Beispiel der Infektion der Augen durch Kontakt mit kontaminierten Händen.
  • Verzehr von nicht ausreichend erhitztem, kontaminiertem Fleisch (Hasen) oder anderen kontaminierten Lebensmitteln (auch durch Mäusekot kontaminiertes Getreide).
  • Aufnahme von kontaminiertem Wasser.
  • Inhalation von kontaminiertem Staub oder Aerosolen (wie beim industriellen Waschen und Zerkleinern von kontaminiertem Gemüse, Rasenmähen oder Heuverarbeiten.
  • Stich oder Biss von infizierten blutsaugenden Arthropoden (so auch von Bremsen, Mücken, Zecken).

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht bekannt. Aber auf Grund der hohen Infektiosität besteht ein erhöhtes Risiko für Laborinfektionen. Wegen der erforderlichen geringen Infektionsdosis des Erregers in Geweben und Körperflüssigkeiten von Erkrankten (über einen Ulcus der Haut oder auch im Sputum von Erkrankten ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung  nicht  auszuschließen und auch in der Zahnarztpraxis - wenn auch sehr selten - möglich.

Die Inkubationszeit  ist abhängig von der Infektionsdosis sowie dem  Infektionsweg und kann zwischen einem bis 14 Tage betragen, meistens sind es aber drei bis fünf Tage.


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