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11.12.12 / 09:23
Medizin

Vegetarisch kommt noch nicht an

Nach der ersten Konferenz für vegetarische Ernährung in der Gesundheitsversorgung bilanzieren die Ärzte: Vegetarier haben seltener Übergewicht, Diabetes und sterben nicht so oft an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.



DAK Gesundheit

Nur beim Patienten kämen diese Erkenntnisse kaum an. Die Fakten zum schädlichen Einfluss von übermäßigem Fleischverzehr seien bekannt: Unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel oder Stress, steige das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken, um bis zu 50 Prozent.

Fleisch als Risikofaktor

"Fleischkonsum ist ein unabhängiger Risikofaktor", sagte Dr. Markus Keller vom Institut für alternative und nachhaltige Ernährung. Die Daten zeigten allerdings auch, dass der Verzehr von unbehandeltem Fleisch einmal pro Woche aus medizinischer Sicht unbedenklich ist.

"Eine vollwertige vegetarische Ernährung mit einem hohen Anteil an pflanzlicher Kost ist aus ernährungswissenschaftlich-medizinischer Sicht empfehlenswert", so Prof. Claus Leitzmann, ehemaliger Leiter des Gießener Instituts für Ernährungswissenschaften. Auch eine vegane Ernährung sei bedarfsgerecht und gesundheitlich sinnvoll, solange die Kost vielfältig und qualitativ hochwertig sei und auf eine ausreichende Vitamin B12-Zufuhr geachtet werde.

Von Ärzten bisher weitgehend ignoriert

Von der Ärzteschaft würden die Vorzüge einer überwiegend pflanzlichen Ernährung bislang allerdings kaum wahrgenommen, so das einhellige Credo des Plenums. Prof. Andreas Michalsen von der Berliner Charité sagt hierzu: "Dass der Fleischverzehr gesundheitlich bedenklich ist, wissen wir inzwischen aus den großen epidemiologischen Studien. Die Frage derzeit lautet eher: Wie protektiv ist welche Form der vegetarischen Ernährung und was bedeutet dies für die Praxis?"

Insbesondere für Ärzte sei es einfacher, ihren Patienten eine positive Verhaltensänderung nahe zu bringen, als Verbote auszusprechen. Einen Patienten vom Fleischverzicht zu überzeugen, sei weniger ein Problem der Argumente oder der Evidenz, vielmehr ein Problem der Kultur, so die Meinung.

Ein strukturelles Defizit sei die mangelnde Vernetzung der Ärzte mit Ernährungsberatern oder Diätassistenten. Viel zu selten würden die Mediziner ihre Patienten zur Ernährungsberatung an die entsprechenden Fachleute verweisen - obwohl ausreichend geschultes Personal vorhanden sei und die Kassen diese Leistungen übernähmen. Michalsen: "Die Evidenz ist da, leider kommt davon sehr wenig in der Praxis an. Vegetarische Ernährungsformen sind bisher nicht im Fokus der Ärzte."

Die "VegMed" wurde von der Charité-Universitätsmedizin, der Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Immanuel-Krankenhaus, dem Vegetarierbund Deutschland und der Carstens-Stiftung organisiert und richtete sich an Ärzte, Diätassistenten, Gesundheitsberater und Ernährungswissenschaftler. Auf der Tagung wurden neueste Forschungsergebnisse präsentiert, vegetarische Kostformen vorgestellt und Perspektiven pflanzlicher Ernährung in der Medizin thematisiert. 250 Gäste nahmen laut Veranstalter teil.

Koferenz-Website: www.vegmed.org
 




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