ck/pm
03.12.12 / 12:52
Medizin

Weniger Krebspatienten mit psychischen Begleiterkrankungen als angenommen

Jeder zweite Krebspatient berichtet über eine hohe psychische Belastung durch die Krankheit, doch die Zahl der Patienten mit psychischen Begleiterkrankungen ist geringer als bisher angenommen.



Jedes Jahr sterben über 200.000 Menschen an Krebs, die Zahl der Neuerkrankungen liegt in Deutschland bei rund 450.000 jährlich. Das ist das Ergebnis der weltweit größten Studie zu psychosozialen Belastungen und Störungen unter Federführung des UKE.

Deutschlandweit wurden über 4.000 Krebspatienten zu ihren psychischen Belastungen befragt, über 2.000 stellten sich für ein klinisches Interview zur Verfügung - damit ist die UKE-Studie die weltweit größte zu psychosozialen Belastungen und Störungen.

"Nicht nur die mit der Erkrankung einhergehenden starken körperlichen Einschränkungen, auch die Auswirkungen der Krankheit auf die eigene Rolle in der Familie, im Beruf und im Alltag führen zu psychischen Belastungen,“ sagte Prof. Martin Härter, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie am UKE.

Großer Stress durch Therapien

Härter weiter: "Unsere Studie hat gezeigt, dass zwar bei der Hälfte aller Patienten psychische Belastungen auftreten, weit weniger aber weisen psychische Erkrankungen auf.“ Unterschätzt werde häufig die Belastung durch die oft langwierigen und kostenaufwändigen Krebstherapien, die ambulant fortgeführt werden. Diese hätten oft einen sozialen Einbruch in den Familien zur Folge.

Sorgen um Krankheit, Geld und Abstieg

Eine adäquate psychoonkologische Versorgung erreiche jedoch häufig nur die Mittelschicht. Die Sorge ums Geld und die Angst vor dem sozialen Abstieg belasten Krebspatienten und ihre Angehörigen oft genauso wie die Erkrankung selbst.

Hilfe für Kinder krebskranker Eltern

Schätzungsweise 200.000 Kinder und Jugendliche erleben in Deutschland jährlich, dass Vater oder Mutter an Krebs erkranken. Und während es für die Eltern krebskranker Kinder ein umfassendes Unterstützungsangebot gibt, herrsche umgekehrt oftmals Sprachlosigkeit, so Georg Romer, Leiter des Forschungsverbundes.

"Die Eltern sind verunsichert, was sie ihren Kindern zumuten können, die Kinder ihrerseits spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist und können von den vielfachen Belastungen durch die Krankheit nicht abgeschirmt werden.“ Seit April 2009 fördert die Deutsche Krebshilfe ein auf drei Jahre angelegtes multizentrisches Verbundprojekt, an dem unter der Federführung des UKE acht Partnerzentren beteiligt sind.



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