ck/dpa
13.06.13 / 11:47
Meinung

"Pflege-Bahr ist zu wenig"

Was ist von der Pflegereform zu halten, wie löst man das GKV-Finanzierungsproblem und lohnte sich die Abschaffung der Praxisgebühr? Drei Fragen an den Chef der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas.



TK-Chef Dr. Jens Baas TK

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will die umfassendste Reform seit Einführung der Pflegeversicherung auf den Weg bringen mit mehr Hilfe für Demenzkranke. Wie beurteilen Sie die Pläne? 

Baas: Was jetzt geplant wird, reicht noch nicht aus. Da wird man eher noch mehr machen müssen. Es ist gut, mit dem "Pflege-Bahr" anzufangen, aber das ist zu wenig. Unsere Probleme sind die Demografie und die Kostensteigerungen. Der größte Anteil sind die Personalkosten, sie werden noch steigen. Wir müssen den Beruf aufwerten und attraktiver machen. Das heißt in dem Fall auch, aber nicht nur mehr Geld. Für die schwierigen Aufgaben sind die Pflegekräfte jedenfalls nicht überbezahlt. Das würde zu höheren Ausgaben führen.

Muss es mehr Einnahmen im Gesundheitssystem geben? 

Ich würde mich wohler fühlen, wenn wir öfter mal diskutieren würden, wie man die Ausgabenseite angehen könnte und nicht immer nur darüber, wie sich zusätzliche Einnahmen generieren lassen. Ich sehe Sparpotenzial im Pharmabereich - zum Beispiel bei den Rabatten - oder bei den Krankenhäusern. Wir haben zu viele Krankenhausbetten in Deutschland. Es gibt auch eine Menge unnötiger Operationen in Krankenhäusern.

Wir haben zum Beispiel in der TK ein Zweitmeinungs-Programm. Das haben wir ganz spezifisch für Rückenschmerzen eingeführt. Als Versicherter kann man sich eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt holen. Das Ergebnis: 80 Prozent der Eingriffe haben sich als nicht notwendig erwiesen. Ein anderes Beispiel: Es gibt kaum ein Land in der Welt, in dem so viele Herzkatheter geschoben werden wie in Deutschland." 

Die Praxisgebühr ist wieder abgeschafft worden. Welche vorläufige Bilanz ziehen Sie ohne die Gebühr? 

Die Praxisgebühr hat keinen Steuerungseffekt gehabt, sie war eigentlich nur ein Finanzierungsmodell. Das Geld - 1,6 Milliarden Euro - fehlt natürlich irgendwann. Wir können nach der Abschaffung der Praxisgebühr sehen, dass in den ersten Monaten die Zahl der Arzneimittelverordnungen angestiegen ist. Das könnte aber ein Einmaleffekt sein.


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