mg
18.12.12 / 14:13
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Ärzte wollen sich vor Korruption schützen

Mit einem Katalog wollen die Ärzte die Zusammenarbeit mit Kliniken, Kassen und Pharmafirmen verbessern. Die Broschüre zeigt Beispiele - die Grenze zwischen Kooperation und Korruption bleibt aber verschwommen.



Eisenhans - Fotolia.com

Wie die "Welt" berichtet, stellt die KBV eine Broschüre für Kassenärzte vor, die "Grenzen aufzeigen, informieren und Transparenz schaffen soll", wie es heißt. Dabei geht es um die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Krankenhäusern, Apothekern und Pharmaindustrie. "Zusammenarbeit im Gesundheitswesen ist wichtig und gewünscht", erklärte KBV-Chef Andreas Köhler. "Korruption hingegen muss bestraft werden." 

Korruption im Gesundheitswesen sei ein Thema, das in regelmäßigen Abständen für Schlagzeilen sorge, so Köhler gegenüber dem Blatt weiter. Dabei handele es sich jedoch um "Einzelfälle".

Die neue Broschüre listet laut "Welt" praxisnahe Beispiele auf, bei denen die Grenzen zwischen erwünschter Kooperation und Korruption aber nicht immer klar erkennbar seien. So sei es Ärzten erlaubt, sich bei Teilnahme an wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen die notwendigen Reisekosten und Tagungsgebühren erstatten zu lassen, erklärte KBV-Vorstand Regina Feldmann. Nicht erlaubt sei hingegen die Übernahme der Übernachtungskosten für einen verlängerten Aufenthalt vor Ort oder für ein Rahmenprogramm.

Bezahlte Referate sind zulässig

Als Fortbildung anerkannt würden grundsätzlich nur Veranstaltungen, die ausschließlich fachliche Informationen enthalten und "frei von wirtschaftlichen Interessen" sind. Rein produktbezogene Informationsveranstaltungen gehörten nicht dazu. Unzulässig seien laut Broschüre auch Beraterverträge und Studienverträge, denen keine Gegenleistung gegenüber steht. Zulässig seien aber bezahlte Referate auf Fortbildungsveranstaltungen. 

Komplett unzulässig sei die Annahme von Geld oder sonstigen wirtschaftlichen Vorteilen bei der Versorgung mit Arznei- oder Hilfsmitteln, betonte Feldmann. Sie empfahl, Verträge über eine Zusammenarbeit mit der Industrie grundsätzlich der KV oder der Ärztekammer vorzulegen. Auch sollten ärztliche Leistung und Gegenleistung "in einem angemessenen Verhältnis stehen". Im Zweifelsfall sollte die KV oder Ärztekammer zu Rate gezogen werden. 

Verboten: die Zuweisung gegen Entgelt

Unzulässig sei auch die "Zuweisung gegen Entgelt". Dennoch sind diese Fangprämien nach Einschätzung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland "gängige Praxis". Jeder fünfte Arzt kenne die berufsrechtlichen Verbote nicht und sehe Zuweisungen gegen Bezahlung als selbstverständlich an, ergab eine Studie der Krankenkassen im Sommer. Hochgerechnet wären dies 27.000 niedergelassene Vertragsärzte. Im Gesundheitswesen bestehe erhebliches "Korruptionspotenzial", klagen die Kassen. 


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