ck/dpa
11.02.14 / 10:06
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Angeklagter mit Amnesie

Der frühere Chef der Transplantationsmedizin in Göttingen hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft die Anweisung zur Manipulation medizinischer Daten gegeben.



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So hätten seine Patienten von der Vergabestelle Eurotransplant bevorzugt Spenderlebern erhalten. Die Aussage des Transplantationskoordinators der Universitätsmedizin vor dem Landgericht Göttingen am Montag habe die Vorwurfe erhärtet, sagte Staatsanwalt André Schmidt in einer Verhandlungspause. 

Fälschlich als nierenkrank und dialysepflichtig gemeldet

Laut Anklage sind mehrere Patienten in Göttingen fälschlich auch als nierenkrank und dialysepflichtig an Eurotransplant gemeldet worden, damit sie auf der Zuteilungsrangliste nach oben rutschten. Die Anweisung für die Meldung habe er stets vom dem angeklagten Transplantationschirurgen erhalten, sagte der Zeuge. An entsprechende Anweisungen anderer Ärzte könne er sich nicht erinnern.

"Ich habe keine konkrete Erinnerung"

Anders als die Staatsanwaltschaft sieht die Verteidigung die Vorwürfe durch die Zeugenaussage nicht als bekräftigt, sondern als erschüttert an. Der Transplantationskoordinator habe zu den in der Anklageschrift aufgeführten angeblichen Manipulationsfällen nichts Konkretes sagen können, sagte Anwalt Steffen Stern. Auf Fragen des Gerichts hatte der Zeuge in allen Fällen erklärt: "Ich habe keine konkrete Erinnerung". Er wisse auch nicht mehr, wann er was eingegeben hat. 

Transplantation ohne Aufklärung

Zuvor hatte das Gericht einen Oberarzt aus der Abteilung Gastroenterologie der Göttinger Universitätsmedizin angehört. In dieser Abteilung wurden die Patienten behandelt, denen der Transplantationschirurg Lebern übertragen hatten. Der 46 Jahre alte Angeklagte soll in einigen Fällen ohne vorherige Aufklärung der Patienten Spenderlebern übertragen haben. Der Zeuge sagte aus, die Kranken seien in der Regel bereits in seiner Abteilung über Transplantationen informiert worden. 

Dem angeklagten Arzt wird versuchter Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vorgeworfen. Der Mediziner war kurz vor Weihnachten nach knapp einem Jahr aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Prozess, der seit August 2013 läuft, soll am kommenden Montag fortgesetzt werden.


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