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11.01.17 / 15:25
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Bald Sprechstunde über jameda.de?

Jameda kauft sich in die Telemedizin ein: Das Arztbewertungsportal hat zum Jahreswechsel das Start-up Patientus erworben - den führenden Anbieter für Online-Videosprechstunden.



Das Angebot von Patientus soll im Laufe des Jahres sukzessive auf jameda.de integriert werden. Patientus wiederum erhält durch die Übernahme neben den finanziellen Mitteln auch den Zugang zu Millionen von Patienten und Tausenden von Ärzten. jameda

Wie das Unternehmen gestern bekannt gab, hat jameda zum Jahreswechsel den führenden Anbieter für Online-Videosprechstunden, das Berliner Start-up Patientus, übernommen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Das Angebot von Patientus soll im Laufe des Jahres sukzessive auf jameda.de integriert werden. Patientus wiederum erhält durch die Übernahme neben den finanziellen Mitteln auch den Zugang zu Millionen von Patienten und Tausenden von Ärzten.

Sprechstunde per Webcam - Fernbehandlungsverbot wird gelockert

Patientus bietet eine Software an, mit der Ärzte und Patienten per Webcam miteinander sprechen können. Für den Dienst zahlen Ärzte eine Pauschale von mindestens 29 Euro im Monat. Die Patienten nutzen den Service kostenfrei - sie tragen bislang allerdings das Beratungshonorar, das die Mediziner festlegen.

Doch das soll sich zum 1. Juli 2017 ändern. Die Einschränkungen für die Fernbehandlung werden dann gelockert. In Deutschland ist die ausschließliche Fernbehandlung bisher verboten. Nur wenn der Arzt den Patienten schon einmal persönlich gesehen hat, darf er ihn auch online oder telefonisch weiterbetreuen. Ab Juli 2017 wird die Online-Videosprechstunde in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen und auch erstattet. Nur Rezepte dürfen von Ärzten weiterhin nicht online ausgestellt werden.

Markt für digitale Gesundheitsanwendungen explodiert

Patientus wurde 2013 in Lübeck gegründet - mittlerweile sitzt das zehnköpfige Team in Berlin. Jameda startete im Jahr 2007. Seit Ende 2015 gehört das Arztbewertungsportal zum Burda-Verlag. Der Kaufpreis wurde in der Branche damals auf 47 Millionen Euro geschätzt, der Jahresumsatz von jameda auf etwa sechs Millionen Euro. Jameda zählt laut eigenen Angaben monatlich rund 5,5 Millionen Besucher, die auf dem Portal herausfinden wollen, wie andere Patienten ihren Arzt bewerten. Arztpraxen können Bilder und Öffnungszeiten einstellen und online Termine vergeben.

Laut einer Prognose der Unternehmensberatung Roland Berger wird sich der Markt für für digitale Gesundheitsanwendungen bis 2020 weltweit auf mehr als 200 Milliarden Dollar verdoppeln. Allein der Bereich Telemedizin soll in dieser Zeit von 14 auf 26 Milliarden Dollar anwachsen.


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