mg/dpa
18.10.12 / 11:07
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Befürchtung bestätigt: Organspenderzahl sinkt

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) schlägt Alarm, weil die Zahl der Organspenden nach den jüngsten Skandalen deutlich sinkt. Schuldig seien die Transplantationszentren.



Von Januar bis September 2012 zählte die Deutsche Stiftung Organtransplantation 829 Organspender - knapp acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Fotolia.com

In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" appellierte der Medizinische Vorstand Professor Günter Kirste nach Ablauf des dritten Quartals "umso dringlicher an alle: Jedes einzelne Spenderorgan kann das Leben eines schwerkranken Menschen retten."

Von Januar bis September 2012 zählte die Organisation 829 Organspender - 71 oder knapp acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 2007 waren es noch 992.

"Vor allem die schwerwiegenden Vorwürfe der Datenmanipulation bei Wartelistenpatienten erschüttern das Vertrauen massiv", sagte Kirste. Auch wenn es erfahrungsgemäß immer wieder Schwankungen in der Entwicklung der Zahlen gebe, sei "die Verunsicherung der Menschen spürbar vorhanden und sehr ernst zu nehmen".

Leidtragende sind die Patienten auf der Warteliste

Die Stiftung forderte, jegliche Verdachtsfälle in Transplantationszentren lückenlos aufzuklären, Konsequenzen zu ziehen und weiterem Missbrauch sicher vorzubeugen.  "Für die Organspende und Transplantation sind Transparenz und Vertrauen wichtige Parameter", sagte Kirste.

"Wenn Zweifel an der Transparenz des Verfahrens der Transplantation aufkommen, sind die eigentlichen Leidtragenden die Patienten auf der Warteliste. Sie müssen nun befürchten, noch länger - vielleicht sogar vergeblich - auf die rettende Transplantation zu warten." Daher dürfe die Bereitschaft zur Organspende "nicht in Frage gestellt werden".

Die Deutsche Stiftung Organspende ist die nach dem Transplantationsgesetz beauftragte Koordinierungsstelle für Transplantationen in Deutschland. 

Patientenverfügungen als mögliche Ursache

Die sinkende Bereitschaft zur Organspende könnte aber auch andere Gründe haben, wie die Ärzte-Zeitung (17.10.) berichtet. So könnten etwa Patientenverfügungen dahinterstecken: Immer mehr Menschen besäßen entsprechende Verfügungen, in denen sie unter anderem lebenserhaltende Maßnahmen im Falle eines Komas oder potetziell irreversibler Schäden ausschließen. Für die Organentnahme sei aber die lebenserhaltende Intensivtherapie nötig.



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