sf/pm
26.11.12 / 12:15
Nachricht

Besonders im Osten mehr HIV-Infektionen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat heute die geschätzten HIV-Neuinfektionszahlen für das Jahr 2012 und korrigierte Schätzungen für die letzten Jahre veröffentlicht.



Nach den neuen Schätzungen ist das Infektionsgeschehen in Deutschland seit 2004 weitgehend stabil, mit leichten Auf- und Abwärtsbewegungen. Im Jahr 2012 werden sich nach den Schätzungen des RKI bis Jahresende rund 3.400 Menschen neu mit HIV infiziert haben, etwas mehr als 2011.

"Die stabile Lage bei den HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist ein Erfolg der Prävention", erklärt Carsten Schatz, Vorstandsmitglied der Deutschen AIDS-Hilfe. "Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich hervorragend da."

Intensivere Prävention für Schwule nötig

Der leichte Anstieg bei den Neuinfektionen seit 2011 fordere eine Intensivierung der Prävention, gerade bei schwulen Männern und anderen Männern, die Sex mit gleichgeschlechtlichen Partnern haben. Kürzungen sind vor diesem Hintergrund fatal. Dies gilt vor allem im Osten Deutschlands, wo sich die Infektionsrate der westdeutschen immer mehr angleicht, Prävention aber oft besonders schlecht finanziert ist."

Nach Interpretation des RKI betrifft der leichte Anstieg der Neuinfektionen vor allem schwule Männer. Als Hauptgrund sieht das RKI eine Syphilis-Welle. Syphilis und andere sexuell übertragbare Infektionen erhöhen die Übertragungswahrscheinlichkeit von HIV erheblich, auch wenn sich am Schutzverhalten nichts oder wenig ändert.

Checks auf sexuell übertragbarer Infektionen erforderlich

Erforderlich ist daher aus Sicht der Deutschen AIDS-Hilfe wie auch des RKI eine frühe Erkennung sexuell übertragbarer Infektionen. Nach der EMIS-Studie aus dem Jahr 2010 finden diagnostische Maßnahmen in Deutschland viel zu selten statt und werden oft nicht fachgerecht durchgeführt.

Schatz: "Regelmäßige Checks auf sexuell übertragbare Infektionen sind ein wichtiger Baustein der HIV-Prävention bei schwulen Männern, werden aber bei Patienten ohne Krankheitsanzeichen bisher nicht von den Krankenkassen übernommen. Das muss sich ändern!"

Gebraucht wrede außerdem eine Sensibilisierung von Ärzten für das Thema und mehr Testangebote in den Szenen selbst, zum Beispiel in Aidshilfen oder an Treffpunkten schwuler Männer.

Enttabuisierung von Sexualität notwendig

Notwendig sei darüber hinaus eine weitere Enttabuisierung von Sexualität und sexuell übertragbaren Infektionen. Darüber reden zu können, sei eine wichtige Voraussetzung für Schutz und Diagnostik.

Klima der Offenheit

Schatz weiter: "Es ist fatal, HIV-Prävention auf biologische Zusammenhänge zu reduzieren. Diskriminierung von Menschen mit HIV und von schwulen Männern führt zu Angst und Tabus. Um Infektionszahlen zu senken, benötigen wir ein Klima der Offenheit, in dem es möglich ist, frei über Sexualität, HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten zu sprechen. Dafür trägt auch die Politik Verantwortung, die einer vollständigen rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen noch immer im Wege steht."



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