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24.04.17 / 16:00
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Demo gegen "alternative Fakten"

Für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung sind am Samstag weltweit die Menschen auf die Straße gegangen - allein in Deutschland beteiligten sich Zehntausende am “March for Science”.




In Deutschland demonstrierten etwa 37.000 Teilnehmer in 22 Städten – rund 11.000 Teilnehmer kamen zur größten Kundgebung nach Berlin, exakt 67 zur kleinsten auf der Nordseeinsel Helgoland. Der "March for Science" ist eine unabhängige Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, auf die Gefahren durch populistische Tendenzen hinzuweisen und für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung auf der ganzen Welt zu demonstrieren.

"Kritisches Denken und fundiertes Urteilen setzt voraus, dass es verlässliche Kriterien gibt, die es erlauben, die Wertigkeit von Informationen einzuordnen. Die gründliche Erforschung unserer Welt und die anschließende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft. Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich „alternativen Fakten“ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen. Da aber der konstruktive Dialog eine elementare Grundlage unserer Demokratie ist, betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler/innen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes." (Aufruf der Veranstalter MarchforScienceGermany zur Protestaktion am 22. April 2017)

Der "March for Science" hatte sich aus dem Frauenmarsch auf Washington am Tag nach der Vereidigung von Donald Trump zum US-Präsidenten in diesem Januar entwickelt. Trump hatte für 2018 tiefe Einschnitte im Forschungsetat angekündigt.

In Deutschland hatten im Vorfeld des Aktionstages nahezu alle wichtigen Wissenschaftsinstitutionen wie die Max-Planck-Gesellschaft, der Deutsche Akademischen Austauschdienst oder die Helmholtz-Gemeinschaft ihre Unterstützung erklärt. Die Vorstände vieler dieser Institutionen waren als Redner bei den unterschiedlichen Kundgebungen zu hören.

"Die Freiheit der Wissenschaft ist in Gefahr"

In Berlin erklärte der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Otmar Wiestler. “Die Freiheit der Wissenschaft ist derzeit in vielen Ländern in Gefahr. Insbesondere die Entwicklungen in der Türkei und in Ungarn beunruhigen mich.”

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann, sagte in München: “Wissenschaftsfreiheit ist ein Grundrecht – wie Presse- und Meinungsfreiheit. Es geht uns etwas an, was am Bosporus oder in USA geschieht.”

Die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Margret Wintermantel, verwies in Bonn auf die gegenseitige Verpflichtung von Wissenschaft und Gesellschaft: “Wissenschaft braucht gute Bedingungen und Freiheit, um die hohen Erwartungen erfüllen zu können, die zu Recht an sie gestellt werden.”

"Wissenschaft braucht Pluralismus"

Auch zahlreiche Vertreter der Politik, wie der Berliner regierende Bürgermeister Michael Müller oder die niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić, die in Göttingen sprach, waren als Redner vertreten. In Bonn erklärte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze: „Wir können nur als Demokratie bestehen, wenn wir freie Forschung wertschätzen.“

Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, Theresia Bauer, sagte auf der Kundgebung in Heidelberg: “Wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten sind essentiell für rationale Debatten und Entscheidungsfindung. Die liberale Demokratie ist auf selbstbewusste und weltoffene Wissenschaft angewiesen, deren Freiräume und Unabhängigkeit wir schützen müssen.”

Auch ihre sächsische Amtskollegin Eva-Maria Stange erklärte in Dresden: “Wissenschaft braucht Pluralismus und pluralistische Demokratie braucht Wissenschaft.”

Laut einer Auswertung der Veranstalter fanden in folgenden deutschen Städten Kundgebungen statt (Teilnehmerzahl in Klammern): Berlin (11.000), Bonn (1.500), Dresden (2.000), Espelkamp (50) Frankfurt/M.(2.500), Freiburg (2.500), Göttingen (2.500), Greifswald (400), Hamburg (1.500), Heidelberg (1.500), Jena (1.000), Kassel (200), Koblenz (50), Kiel (250), Leipzig (1.200), München (4.500), Münster (1.500), Rostock (250), Stutgart (400), Trier (150), Tübingen (2.700) sowie auf Helgoland (67).


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