mg/dpa
30.01.13 / 11:30
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Diagnose ADHS von den Eltern abhängig

Konzentrationsmangel und zappeliges Verhalten sind bei Kindern weit verbreitet. Ob ADHS diagnostiziert und mit Pillen behandelt wird, hängt von vielen Faktoren ab - wie dem Alter und Einkommen der Eltern.



TK

Diese These vertritt der am Dienstag in Berlin vorgestellte Arztreport 2013 der Krankenkasse Barmer GEK, der auf Versichertendaten der Krankenkasse beruht. Darin heißt es: Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland verlassen die Arztpraxis mit einer Diagnose auf Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Die Zahl der Fälle stiegen bei den unter 19-Jährigen zwischen 2006 und 2011um 42 Prozent.

Dabei vermerkten die Autoren selbst im Anhang ihres Reports: "Einschränkend ist darauf hinzuweisen, dass die hier betrachtete Population von Versicherten der Barmer-GEK keine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung darstellt."

Generation ADHS droht

Rolf-Ulrich Schlenker, Vize-Vorstand der Barmer GEK, wagt dennoch eine Wertung: "Dieser Anstieg erscheint inflationär. Wir müssen aufpassen, dass die ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft und wir eine ADHS-Generation fabrizieren. Pillen gegen Erziehungsprobleme sind der falsche Weg", wird er in einer Pressemitteilung der Krankenkasse zitiert.

Laut Report hatten 2011 rund 620.000 Kinder und Jugendliche laut ärztlicher Diagnose das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom, davon 472.000 Jungen. Im Alter von elf Jahren bekamen rund 7 Prozent der Jungen und 2 Prozent der Mädchen das Medikament Ritalin verordnet.

Auffällige Kinder von Gutverdienern bekommen seltener die Diagnose ADHS

Die Forscher vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (Iseg) in Hannover, die den Bericht im Auftrag der Kasse erstellt hatten, legten das Augenmerk auf messbare Eckdaten des Elternhauses. Erste Erkenntnis: Mit steigendem Ausbildungsniveau der Eltern sinke die Wahrscheinlichkeit einer ADHS-Diagnose und einer Ritalin-Gabe an die Kinder. Kinder arbeitsloser Eltern seien häufiger betroffen, heißt es. Zweite Erkenntnis: ADHS werde bei Kindern von Gutverdienern (was das genau heißt, lässt der Report offen) seltener diagnostiziert.

Außerdem gebe es auch Hinweise darauf, dass Kinder jüngerer Eltern eine höhere Diagnose-Wahrscheinlichkeit haben als diejenigen mit Eltern mittleren Alters. So bekommen dem Report zufolge Kinder mit einem Elternteil im Alter zwischen 20 und 24 Jahren 1,5 mal häufiger eine ADHS-Diagnose als Kinder mit Eltern zwischen 30 und 35 Jahren.

Auffällig seien auch die regionalen Unterschiede, heißt es in der Studie. Während die ADHS-Diagnoserate bei Jungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren 2011 im Bundesschnitt bei knapp 12 Prozent lag, hatten Ärzte in Unterfranken die Störung bei 19 Prozent dieser Jungen festgestellt.


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