sg
28.01.13 / 09:46
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"Die Pflegereform verdient ihren Namen nicht

Enttäuscht zeigt sich der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, über die Arbeit der schwarz-gelben Koalition in der Gesundheitspolitik.



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In einem Interview mit der Ärzte-Zeitung zieht der Pflegeverbandsfunktionär eine negative Bilanz. "Eine Pflegereform ohne Aussagen zur entsprechenden Berufsgruppe verdient den Namen nicht“, so Westerfellhaus. Auch sei der  Pflegebedürftigkeitsbegriff nach wie vor nicht definiert.

Größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen wird am wenigsten beachtet

"Aus dem Berufsgesetz Pflege, was uns versprochen wurde, ist außer einem Eckpunktepapier nichts geworden. Wenn man sich vor Augen führt, dass es keinen gesellschaftlichen Bereich gibt, der nicht mit professioneller Pflege in Berührung kommt, dann versteht man überhaupt nicht mehr, warum ausgerechnet die Aufgabe der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen in der Öffentlichkeit und in der Politik so wenig Beachtung erfährt“, so Westerfellhaus.

Fantasielose Vorschläge helfen nicht weiter

Wolle man im Pflegebereich wirklich etwas ändern, müsse man diejenigen, die Leistung erbringen, Pflegende wie Ärzte, vernünftig bezahlen. Dazu sollte man die Tariflohnentwicklung eins zu eins in die Krankenhausfinanzierung weitergeben können. Fantasielose Vorschläge aus der Politik würden nicht weiter helfen.

Westerfellhaus: "Frau Schavan fordert Roboter als Pflegehelfer, Frau von der Leyen wollte uns die Schlecker-Frauen schicken und der Justizminister von Nordrhein-Westfalen hat erklärt, Menschen, die ihre Bußgelder nicht bezahlen können, sollten statt ihre Strafe in der Haftanstalt abzusitzen, besser zeitweise in der Altenpflege arbeiten.“

Höchste Zeit für das Berufsgesetz 

Westerfellhaus nannte als einen Schwerpunkt die Verabschiedung des Berufsgesetzes Pflege, das den Rahmen für eine gemeinsame Pflegeausbildung für die unterschiedlichen Handlungsfelder schafft. Es reiche zwar nicht, dass damit die Berufsbezeichnung Pflegefachkraft geschützt sei. Dazu gehörten auch klare Ermächtigungen, was die Ausgebildeten mit ihrer Berufsqualifizierung machen könnten.

Der zweite Punkt auf der Prioritätenliste sei die Selbstverwaltung der Pflege in allen Ländern. Mit diesen beiden Dingen, Berufspflegegesetz und Verkammerung, seien zwar nicht automatisch alle Probleme gelöst, aber damit habe die Profession es in der Hand, viele Aufgabenfelder selbst anzugehen.
 
 


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