eb/dpa
30.05.13 / 13:15
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Die Spende ist sicher

Zehn Monate nach Bekanntwerden des Transplantationsskandals in Deutschland gibt die Bundesregierung Entwarnung.



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"Wir haben mehrere Regeln jetzt gesetzt, Kriterien vorgegeben, dass so etwas nicht noch mal passiert", sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Donnerstag im rbb-Inforadio.

Im Juli 2012 war bekanntgeworden, dass ein Göttinger Universitätsarzt Krankendaten gefälscht haben soll, damit die eigenen Patienten beim Empfang einer Spenderleber bevorzugt werden. Der Arzt sitzt in Untersuchungshaft. Der Transplantationsmediziner, der auch am Uniklinikum Regensburg Patientendaten manipuliert haben soll, steht im Verdacht des versuchten Totschlags. 

Unangemeldete Kontrollen

Bahr betonte: "Wir werden jetzt immer unangemeldete Kontrollen haben, wir haben eine bessere staatliche Aufsicht, es kann auch nicht mehr ein Arzt alleine über die Kriterien für die Wartelisten-Position entscheiden, sondern es muss ein Gremium, ein Sechs-Augen-Prinzip sein." 

Die offiziellen Prüfungen der Transplantationskliniken in Deutschland kommen nach Ärzteangaben voran. "Mittlerweile steht die Überprüfung der Leberprogramme kurz vor dem Abschluss", sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery der Deutschen Presse-Agentur. Es gibt bundesweit 25 Kliniken, die Leberprogramme anbieten. Insgesamt haben rund 50 Kliniken Transplantationsprogramme - manche nur für einzelne Organe, andere für das ganze Spektrum. Auch die anderen Programme werden anschließend überprüft. 

Die Überprüfungen seien der Kammer ein ganz wichtiges Anliegen. "Denn die Vergabe der knappen Organe über Wartelisten muss nach zuvor aufgestellten Kriterien mit größtmöglicher Gerechtigkeit geschehen", unterstrich Montgomery. "Heute ist die Transplantationsmedizin in Deutschland so sicher wie noch nie." Von den 12.000 Menschen, die in Deutschland auf eine Spende warten, starben zuletzt jeden Tag drei. 

Mit dem Tatort-Kommissar für mehr Organspenden

Am Donnerstag startete eine neue Kampagne für mehr Spenden. Im Bundesgesundheitsministerium wurden dafür der Schauspieler Klaus J. Behrendt ("Tatort"), der Olympiasieger im Gewichtheben, Matthias Steiner, und die Olympiasiegerin im Biathlon, Kati Wilhelm, erwartet. 

Der Transplantationsskandal hatte die Spendenbereitschaft auf ein Rekordtief einbrechen lassen. Im ersten Quartal 2013 ging die Zahl der Organspender um 18 Prozent auf 230 zurück. 2012 hatte es schon einen Rückgang um 12,8 Prozent gegeben. Nur noch 1.046 Bürger stellten nach ihrem Tod Organe zur Verfügung. Pro Spender werden im Schnitt 3,4 Organe entnommen. 

Nach 15 Jahren Debatte hatte der Bundestag am 25. Mai 2012 beschlossen, dass alle Bundesbürger ab 16 Jahren künftig offensiv nach ihrer Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod gefragt werden. Die Krankenkassen verschicken deshalb massenhaft Informationen und Spenderausweise. An diesem Samstag findet der nationale "Tag der Organspende" statt, der Menschen zum Nachdenken über das Thema anregen soll.


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