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05.06.13 / 18:04
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Dreihaupt: "Wir nehmen den Minister beim Wort"

zm-online befragte den Präsidenten der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Frank Dreihaupt, zu den Schließungsgerüchten der Medizinischen Fakultät an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.



Der Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Frank Dreihaupt, will den Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff beim Wort nehmen, von Schließungsplänen abzusehen. ZÄK Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt hat schon schönere Zeiten erlebt. Teile des Bundeslandes sind von der Hochwasserkatastrophe betroffen. Und die beiden medizinischen Fakultäten im Land unterliegen einem strengen Spardiktat der Regierung. Im schlimmsten Fall muss die Universitätszahnklinik in Halle weichen. Sachsen-Anhalt würde damit seinen einzigen zahnmedizinischen Wissenschaftsstandort verlieren.

zm-online: Welche Folgen hätte die Schließung des Unizahnklinikstandortes Halle für die zahnmedizinische Versorgung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt und Halle als Wissenschaftsstandort?

Dr. Frank Dreihaupt: Eine Schließung der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg würde zwangsläufig auch das Aus für die Universitätszahnklinik und damit für die einzige Ausbildungsstätte des zahnmedizinischen Nachwuchses in Sachsen-Anhalt bedeuten. Das brächte unweigerlich Probleme für die langfristige Sicherung der zahnmedizinischen Versorgung der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt mit sich. 

Die Qualität der Versorgung ist dann gefährdet

Denn es blieben wohl noch weniger junge Zahnärzte hier als jetzt schon. Bereits heute haben viele Praxisinhaber schlechte Chancen, ihre Praxis bei Beendigung der eigenen beruflichen Tätigkeit an einen Nachfolger zu veräußern. Praxen vor allem auch in ländlichen Gegenden werden unbesetzt bleiben. Schon jetzt geht die Zahl der praktizierenden Kollegen in Sachsen-Anhalt deutlich zurück, und der Altersdurchschnitt der Zahnärzteschaft steigt rapide aus Mangel an jungen Kollegen, die im Lande bleiben.

Ein Verzicht auf die Universitätszahnklinik, der selbst bei Fortbestehen der Einrichtung als Zahnklinik wohl über kurz oder lang auch eine Abwanderung der besten Wissenschaftler zur Folge hätte, würde die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt darüber hinaus eines ausgesprochen wichtigen Partners bei der Fort- und Weiterbildung der Zahnärzte des Landes berauben - auch das hätte zweifellos negative Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung. Der so wichtige lebendige Austausch zwischen zahnmedizinischer Wissenschaft und Praxis wäre damit unterbrochen.

Für den Wissenschaftsstandort Halle wäre der Verlust einer so traditionsreichen Einrichtung wie der Medizinischen Fakultät überaus einschneidend. Auch in Bezug auf die Zahnmedizin würde eine Tradition abreißen, die mittlerweile mehr als 125 Jahre zurückreicht. Zudem haben sich gerade in den vergangenen Jahren interdisziplinäre Kontakte mit medizinischen Fächern  etabliert, die etwa in der Tumorforschung, aber auch in der Parodontologie auf interessante Ergebnisse hoffen lassen.

Auf Platz 2 gerankt

Im Jahr 2012 hat die Universitätszahnklinik Halle im bundesdeutschen Ranking in Lehre und Forschung den zweiten Platz belegt, was für die Qualität der Arbeit spricht. Eine solche Einrichtung kann man nur unter großen Verlusten schließen.

Vor gut einer Woche hat Ministerpräsident Haseloff deshalb auch auf die unüberhörbaren Proteste reagiert und versichert, die Medizinische Fakultät in Halle werde bestehen bleiben. Der Vorstand der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt hat ihm daraufhin geschrieben, man werde ihn beim Wort nehmen. Wir haben ihn aufgefordert, sich für den planmäßigen Fortschritt der Bauarbeiten für den Umzug der Universitätszahnklinik in ein neues Gebäude stark zu machen - besser noch für einen vorfristigen Termin.


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