sf/pm
05.12.12 / 13:31
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Erster transatlantischer Paro-Workshop

Mitglieder der beiden wichtigsten parodontologischen Fachgesellschaften, der "European Federation of Periodontology" (EFP) und der "American Academy of Periodontology" (AAP), haben erstmals gemeinsam getagt.



Teilnehmer beim transatlantischen Parodontologie-Workshop: (v.l.n.r.) Prof. Dr. Thomas Kocher, Prof. Dr. Peter Eickholz, Prof. Dr. Jörg Meyle, Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen DGP

Im Zentrum der wissenschaftlichen Debatte standen die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen parodontalen und systemischen Erkrankungen. Rund 90 weltweit führende Experten, darunter Søren Jepsen, Peter Eickholz, Thomas Kocher und Jörg Meyle aus Deutschland, kamen im spanischen la Granja zusammen, um den derzeitigen Wissensstand sowie die aktuelle Studienlage zu überprüfen und intensiv zu diskutieren.

Auf dem Weg zu globalen Leitlinien

Ziel des Treffens war, auf der Basis vorliegender Evidenz einen globalen, wissenschaftlichen Konsens zu erzielen und gemeinsame Empfehlungen und Leitlinien sowohl für die Zahnärzte als auch für die Ärzteschaft zu erarbeiten. Koordiniert wurde das Treffen durch den Spanier Mariano Sanz, der von europäischer Seite durch Iain Chapple (UK) und Maurizio Tonetti (Italien) unterstützt wurde.

Co-Chairs seitens der USA waren Robert Genco, Thomas E. Van-Dyke und Kenneth Kornman. In drei Arbeitsgruppen wurden eingehend die Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen sowie möglichen Komplikationen in der Schwangerschaft beleuchtet. Aus den Erkenntnissen wurden neue Handlungsanweisungen für eine effektivere Krankheitsprävention und -therapie abgeleitet.

Die resultierenden Konsens-Dokumente werden in einer Spezialausgabe des "Journal of Clinical Periodontology" (EFP) und des "Journal of Periodontology" (AAP) veröffentlicht. Später sollen sie auf wissenschaftlichen Fachtagungen in Europa und Amerika breit verteilt und debattiert werden.

Seit 30 Jahren wird geforscht - mit zunehmender Evidenz

Tagungsleiter Sanz, Dekan der Zahnmedizinischen Fakultät an der Complutense Universität von Madrid und Mitherausgeber des EFP, brachte es auf den Punkt: "Uns ist es ein gemeinsames Anliegen, eine klare Antwort darauf zu finden, welchen Stellenwert die Mundgesundheit im Rahmen der Allgemeingesundheit hat. Das ist von großer Bedeutung nicht nur für die Zahn- und die Humanmedizin, sondern auch für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Gesamtbevölkerung: Und das ist auch das Ziel dieses ersten Treffens.“

Seit nunmehr 30 Jahren beschäftigt sich die Forschung kontinuierlich damit, die Zusammenhänge zwischen Mund- und Allgemeingesundheit aufzudecken. Zahlreiche Untersuchungen konnten die enge Wechselwirkung belegen, bei anderen blieb sie kontrovers.

Besonders in den letzten Jahren und in neueren Studien mehren sich jedoch die Hinweise auf eine komplexe gegenseitige Beeinflussung. Daher bot dieses hochkarätige Expertentreffen die Gelegenheit, die zunehmende wissenschaftliche Evidenz nun endlich auch auf internationaler Ebene kritisch zu hinterfragen.

Auf Grundlage der aktuellen Erkenntnisse soll eine gemeinsame, interdisziplinäre Behandlungsstrategie entwickelt werden, die nicht nur für die Zahn- und die Humanmediziner, sondern auch für die Allgemeinbevölkerung im Sinne einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung von besonderer Relevanz ist.

Deutschland ist schon einen Schritt weiter

In diesem Zusammenhang verwies DGP-Präsident Eickholz auf das erst kürzlich in Deutschland veröffentlichte Konsensuspapier zur Wechselwirkung zwischen Parodontitis und Diabetes mellitus. Erarbeitet wurde es von einem interdisziplinären Expertengremium aus vier Diabetologen und vier Parodontologen.

Die beiden chronischen Erkrankungen mit steigender Prävalenz in der deutschen Bevölkerung verbindet eine bidirektionale Beziehung: Der Diabetes begünstigt die Entstehung, die Progression und den Schweregrad einer Parodontitis.

Die Parodontitis wiederum erschwert die glykämische Kontrolle des Diabetes, was das Risiko Diabetes-assoziierter Komplikationen erhöht und möglicherweise sogar für dessen Entstehung verantwortlich ist. Durch Prävention und rechtzeitige Therapie kann der Behandlungserfolg maßgeblich erhöht werden. Daher sollte die Behandlung einer Parodontitis integraler Bestandteil des Diabetesmanagements und eine gute Blutzuckereinstellung die Voraussetzung für eine erfolgreiche Parodontaltherapie sein.

"Das Konsensuspapier soll die medizinischen Aspekte der Zahnmedizin verdeutlichen und die wichtige interdisziplinäre Zusammenarbeit noch weiter verbessern“, lautet das Fazit von Eickholz und er fügt hinzu: "Es ist wichtig, das Bewusstsein für diese Wechselwirkungen zu stärken und sowohl Ärzten als auch Patienten konkrete Prophylaxe- und Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen. Das erfordert auch den Dialog mit der Politik, um bessere Präventions- und versorgungspolitische Rahmenbedingungen auf gesetzlicher Grundlage zu schaffen.“

In Deutschland sind die ersten Schritte getan: Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP) und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) haben inzwischen die Erarbeitung einer Behandlungsleitlinie bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) registriert.



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