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04.04.17 / 11:18
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Experten wollen Versorgung radikal reformieren

Eine Expertengruppe der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung schlägt vor, das Gesundheitswesen komplett umzubauen. Vor allem soll eine Angleichung der Sektoren von ambulanter und stationärer Versorgung erfolgen.



Wie das funktionieren soll, wird im Positionspapier „Patient First! . Für eine patientengerechte sektorenübergreifende Versorgung im deutschen Gesundheitswesen“ dargestellt.

"Parallele Versorgung geht am Bedarf der Patienten vorbei"

Die Experten (darunter Cornelia Prüfer-Storcks, Gesundheitssenatorin in Hamburg, und Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen) monieren, dass die parallelen Versorgungskapazitäten und Zersplitterungen bei Planung und Sicherstellung am Bedarf der Patienten vorbeigehen. Dem sollten zwingend integrierte Konzepte entgegengesetzt werden, die eine umfassende und bedarfsgerechte Versorgung ermöglichen.

Unter anderem schlagen die Experten folgende Maßnahmen vor:

  • Eine einheitliche Qualitätssicherung soll für Praxis, Krankenhaus, Reha und Pflege erfolgen.
  • Die hausärztliche Bedarfsplanung soll künftig an einer zu versorgenden Bevölkerungszahl ausgerichtet werden. Richtwerte hierzu sollen nicht nur die Bevölkerungszahlen, sondern auch regionale Gegebenheiten sein.
  • Vertragsarztsitze sollen für künftige Niederlassungen nach Praxisaufgabe an die mit der Sicherstellung beauftragen Institutionen zurückfallen.
  • Es soll eine gleiche Vergütung für gleiche Leistung erfolgen. Die von Patientenkontakten abhängige Honorierung soll durch einen pauschalierten Anteil des Honorarvolumens ersetzt werden. Der Quartalsbezug des Honorars soll ersetzt werden durch eine jährliche Abrechnung von Versichertenpauschalen mit monatlichen Abschlagszahlungen.
  • Über Wahltarife sollen Versicherten Anreize zur Bindung an eine koordinierende Praxis geschaffen werden.
  • Telemedizin soll zum integralen Bestandteil des Versorgungssystems werden.

"Keine Revolution, sondern eine Evolution"

Auf einer Podiumsdiskussion am 3. April in Berlin debattierten Gesundheitsexperten mit den Autoren über das Konzept. Presseberichten zufolge betonten sie, dass es etwa acht Jahre dauern könnte, bis die Ideen aus dem Positionspapier umgesetzt werden könnten. Man beabsichtige keine Revolution, sondern eine Evolution. Auch stehe der Sicherstellungsauftrag durch die KVen nicht zur Disposition.


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